Die größten Disney Flops

Disney ist seit einigen Jahren auf Erfolgskurs und eilt von einem Rekord zum nächsten. Das macht sich natürlich im Umsatz und letztendlich im Gewinn des Unternehmens bemerkbar. Dieser wächst unaufhaltsam. Doch gab es auch mal Filme, die ein Loch in den Kassen hinterließen?

Ganz klar, Disney ist einer der erfolgsverwöhntesten Filmproduzenten in der Branche und kann sich an einem Überfluss an potentiellen Projekten glücklich schätzen. Allein der Gewinn von Disney hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt und ist in der Spitze auf fast 9,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 gestiegen. Wohlgemerkt fließen in den Gewinn nicht nur die Einnahmen aus den Filmen ein, sondern auch die der anderen Geschäftsfelder wie Freizeitparks, Merchandising und vieles mehr. Dennoch gab es auch in der jüngsten Geschichte herbe Verluste. Dabei konzentrieren wir uns auf Film-Flops von Disney, die dem Haus Abschreibungen* bescherten.


1. John Carter – Zwischen zwei Welten

John Carter
Szenenbild aus dem Disney-Film „John Carter – Zwischen zwei Welten“ | © The Walt Disney Company

Den größten Verlust bescherte der von Andrew Stanton (Findet Nemo, WALL·E, Findet Dorie) gedrehte Film John Carter, ein Epos-Science-Fiction-Film, der im Jahr 2012 veröffentlicht wurde. Dies war zugleich Andrew Stantons Regiedebüt mit realen Darstellern und gleich der größte Flop in der Geschichte des Mäusekonzerns. Nicht überraschend kehrte Stanton zurück zu Animationsfilmen. Was für ein Glück, dass Disney sich nicht von ihm trennte und weiterhin an seine kreativen Einflüsse glaubte. Erfreulicherweise war Findet Dorie ein Erfolg für Pixar.

Zurück zu dem Problemfall John Carter: Bei einem geschätzten Produktionsbudget von circa 260 Millionen US-Dollar und weltweiter Einnahmen von 284 Millionen US-Dollar könnte man meinen, dass ein knappes Plus unterm Strich dabei rausgekommen sein müsste. Jedoch fließen ins Budget keine veranschlagten Ausgaben für Werbung und andere etwaige Ausgaben mit ein. Die fehlende Begeisterung des Zielpublikums und übermäßig schlechte Kritiken hinterließen somit einen Verlust von geschätzten 122 bis 200 Millionen US-Dollar, was Anleger von Disney eher unglücklich stimmte und beunruhigte.

Dieser Verlust ist natürlich enorm! Mich persönlich hat der Film kurzfristig unterhalten. Daher ist es für mich eher ein durchschnittlicher bis nicht wirklich erwähnenswerter Film, der zwar mit grandiosen Special-Effects und einem süßen Sidekick punkten kann, aber dennoch in Vergessenheit geraten wird. Trotzdem schade für Andrew Stanton. Ob Disney ihn nochmal bei Gelegenheit einen Realfilm machen lässt?

2. The Lone Ranger

The Lone Ranger
Szenenbild aus dem Disney-Film „The Lone Ranger“ | © The Walt Disney Company

The Lone Ranger hatte es von Anfang an nicht einfach. Schon bevor der Film überhaupt veröffentlicht wurde, gab es viele negative Berichterstattungen über die exorbitant hohen Produktionskosten von über 250 Millionen US-Dollar. Disney vermutete schon aufgrund der überwiegend negativen Töne in der Medienlandschaft und das potentielle Ausbleiben von Kinogängern, dass ein Misserfolg bevorstehe und versuchte vergeblich mittels strategischer Werbung und Marketing dies zu verhindern.

Der von Gore Verbinski (Fluch der Karibik) gedrehte Film mit Johnny Depp und Armie Hammer in den Hauptrollen aus dem Jahr 2013, der auf die gleichnamige Radiosendung und der späteren Fernsehserie Die Texas Rangers basiert, verbuchte einen Verlust von geschätzten 95 bis 190 Millionen US-Dollar. Die Schaffer, sowie die Schauspieler waren daher der Ansicht, dass unter Ausbleiben der negativen Presse im voraus dies nicht der Fall gewesen wäre. Eins steht leider fest: Seitdem hat die Karriere von Johnny Depp mehr als nur gelitten.

Ich fand den Film tatsächlich ganz gut. Ich schließe mich nur der Kritik an, dass der Film etwas langatmig ist. Ansonsten sind die Actionszenen nicht nur einfache aufmerksamkeitserregende Actionszenen, sondern beweisen durch Raffinessen und tollen neuen Ideen ihre Daseinsberechtigung, die The Lone Ranger sehenswert machen. Trotzdem ist davon auszugehen, dass der Film nicht in die Annalen der Top Disney Filme eingehen wird. Höchstens als Flop.

3. Arlo & Spot

Arlo & Spot
Szenenbild aus dem Pixar-Film „Arlo & Spot“ | © Pixar Animation Studios

Gleich vorweg: Arlo & Spot ist mit Gesamteinnahmen von circa 332 Millionen US-Dollar der bis dato mit dem geringsten Einspielergebnis eines Pixar Films. Der sehr fotorealistische Animationsfilm hat große Ähnlichkeiten zur Story vom Klassiker Der König der Löwen. Ob die ideenlose Geschichte dem Film das Genick gebrochen hat, vermag ich nicht zu sagen. Doch mit einem geschätzten Verlust von 85 Millionen US-Dollar gilt er mit als größter Flop in der Disney Animationsgeschichte.

Als ich von den mittelmäßigen Einnahmen und der eher mäßigen Resonanz von Kinogängern hörte, schraubte ich meine Erwartungen an diesen weit runter. Doch sofort als ich die ersten Bilder sah, war ich ergriffen von der atemberaubenden Naturkulisse, die der Realität unwahrscheinlich nah kommt. Allein deswegen hat der Film eine Chance verdient. Demgegenüber steht tatsächlich eine recycelte Geschichte, die im neuem Gewand mit neuen Charakteren verkauft wird. Nichtsdestotrotz ein sehr schöner Film, der hinsichtlich der Animationstechnik bahnbrechend ist (wenn man Fotorealismus in Animationsfilmen mag) und eine schöne Botschaft vermittelt. Bei einem Disney Film natürlich zu erwarten.

4. Der Schatzplanet

Der Schatzplanet
Szenenbild aus dem Disney-Film „Der Schatzplanet“ | © The Walt Disney Company

Die von Ron Clements und John Musker (Arielle, die Meerjungfrau) adaptierte Geschichte des Romans „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson wurde glatt in den Weltraum in eine weit entfernte Galaxie verlegt. Jim Hawkins, der Protagonist des Films, gelangt unbeabsichtigt in ein Weltraumabenteuer auf der Suche nach einem Schatz, der ihm und seiner Mutter, die eine Gastwirtschaft betreibt und nur kläglich über die Runden kommt, von einem bescheidenen Leben befreien würde.

Für viele war es ein Schritt zu viel die Romanvorlage in die Weiten des Weltraums zu verlegen oder/und die erzählerisch holprig wirkende Geschichte auf Kosten von typischen Disney-Humor zu konstruieren. Dies zeigte sich prompt weltweit an den Kinokassen. Mit Gesamteinnahmen von circa 110 Millionen US-Dollar gegenüber Produktionskosten von 140 Millionen US-Dollar war ein Verlust offensichtlich. Dieser lag letztendlich bei satten 85 Millionen US-Dollar.

Hätte der Schatzplanet sein müssen? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich nicht. Zwar rechne ich dem Film hoch an, dass er experimentelle Elemente à la alter Disney Klassiker beinhaltet, sowie eine gewagte Idee verfolgt die Geschichte in den Weltraum zu verlegen, dennoch gehört Der Schatzplanet nicht zu meinen Favoriten unter den Meisterwerken. Ein solider Film ohne wirklich zu brillieren.

5. A World Beyond

A World Beyond Poster
Szenenbild aus dem Disney-Film „A World Beyond“ | © The Walt Disney Company

A World Beyond wurde vom erfolgsverwöhnten Regisseur Brad Bird (Die Unglaublichen, Ratatouille) im Jahr 2015 auf die Leinwand gebracht. Mit George Clooney in der Hauptrolle konnte der Science-Fiction-Film nicht viele Zuschauer überzeugen und erst recht nicht die Kritiker. Mit veranschlagten Produktionskosten von 190 Millionen US-Dollar und weltweiten Einnahmen von 209 Millionen US-Dollar konnte der Film zusätzliche Marketing- und Werbekosten nicht einspielen und verursachte einen Verlust von geschätzten 76 bis 150 Millionen US-Dollar.

Tatsächlich hat mich der Plot nicht wirklich überzeugen können, weswegen mich der Verlust nicht überrascht. Die visuellen Effekte mögen zwar einwandfrei sein, dennoch reicht dies nicht immer und kann nicht über erzählerische Defizite hinwegtäuschen.

6. Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln

Alice im Wunderland 2
Szenenbild aus dem Disney-Film „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ | © The Walt Disney Company

Auf dem finanziell sehr erfolgreichen Alice im Wunderland live-action Remake von Tim Burton folgte zugleich der spektakuläre Absturz mit der Fortsetzung. Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln, basierend auf dem Roman von Lewis Carroll, führt Alice erneut ins Wunderland, um den verrückten Hutmacher mithilfe der Chronosphäre, einer Art Zeitmaschine, die sich in den Händen der personifizierten Zeit (Sacha Baron Cohen) befindet, zu retten. Denn der Verlust seiner Familie raubt seine Lebensenergie. Daher versucht Alice diese durch Zeitreisen ausfindig zu machen, um sie wieder mit dem Hutmacher zusammenzuführen.

Das im Jahr 2016 veröffentlichte Sequel kostete in der Produktion um die 170 Millionen US-Dollar. Dabei war der Film außerhalb der USA deutlich erfolgreicher, was dennoch nur für weltweite Einnahmen von knapp 300 Millionen US-Dollar reichte. Der Verlust belief sich auf rund 70 Millionen US-Dollar. Gegenüber dem Vorgänger, der mehr als 1 Milliarde US-Dollar einnahm, ist dies eine miserable Bilanz. Ob die Fortsetzung fiel zu spät kam? Oder war es die visuelle Aufmachung?

Aus irgendeinem Grund, den ich nicht genauer nennen kann, hat mir die Fortsetzung minimal besser gefallen als der Vorgänger. Mich haben durchaus beide Filme etwas enttäuscht. Mir fehlte irgendwie dieses „Wunderland-Gefühl“ und der Charme vom Animationsklassiker von Walt Disney. Man hätte das viel mehr ausreizen können und hier hätte weniger CGI deutlich geholfen. Dennoch bin ich überrascht über diesen Verlust. Denn das hat die Fortsetzung nicht verdient, dessen Handlung ich recht unterhaltsam finde.


Nun noch zwei spezielle Fälle: Fantasia und Gigantic. Einer der beiden Filme hat nie das Licht der Welt erblickt. Der andere war seiner Zeit weit voraus.

Fantasia

Fantasia
Szenenbild aus dem Disney-Film „Fantasia“ | © The Walt Disney Company

Als Fantasia 1940 in die Kinos kam, waren Kritiker und Zuschauer gleichermaßen von dem abendfüllenden Film von Walt Disney sehr enttäuscht, wenn nicht sogar erbost. Denn an dem Film wurde kein gutes Haar gelassen. Erstaunlicherweise galt der Film 20 Jahre später und bis heute als einer der größten künstlerischen Leistungen unserer Geschichte und das zurecht. Walt schreckte nicht vor avantgardistischen und höchst künstlerischen Elementen zurück, die extra für bereits bestehender klassischer Musik entwickelt wurden, und somit eine Visualisierung von berühmten Stücken von u.a. Ludwig van Beethoven darboten. Das ganze natürlich ohne Sprache. Kein Wunder, dass man der Zeit damals weit voraus war.

Gerade die aufwendigen und künstlerischen Raffinessen in Fantasia waren für damalige Verhältnisse unwahrscheinlich teuer und führten Disney beinahe in den Bankrott. Mit einem Budget von 2,3 Millionen US-Dollar war bereits abzusehen, dass man aufgrund der damaligen Umstände niemals den Umsatz von vorherigen Filmen erreichen könne. Die USA erholten sich noch von der großen Depression und Europa war im Kriegszustand. Eine schlechtere Ausgangssituation hätte es nicht geben können.

Letztendlich konnte der Film durch wiederholte Aufführungen, vor allem ab den 1960er Jahren, unlängst die Ausgaben wieder einspielen. Heute ist Fantasia ein Disney Meisterwerk und Klassiker ohnehin, auch wenn nicht jedermanns Geschmack.

Gigantic

Gigantic
Konzeptbild zum Disney-Film „Gigantic“ | © The Walt Disney Company

Gigantic wäre normalerweise dieses Jahr im November ins Kino gekommen, bis der Film mehrmals verschoben wurde und letztendlich im Jahr 2020 gelandet ist. Dabei sollte es nicht bleiben. Prompt wurde Gigantic von Disney gestrichen und durch noch einen unbekannten Animationsfilm ersetzt.

Der von Nathan Greno (Rapunzel – Neu verföhnt) entwickelte Film, basierte lose auf dem Märchen „Jack und die Bohnenranke“. Die Handlung wurde nach Spanien in das Entdeckungszeitalter verlegt. Der Protagonist Jack entdeckt eine Welt voller Riesen, die versteckt in den Wolken liegt. Diese wollen die Erde angreifen und Jack versucht dies zusammen mit einer neu geschlossenen Freundschaft mit einem Riesenmädchen namens Inma zu verhindern. Soweit die ungefähre offizielle Handlung des Films. Inwieweit diese sich im Laufe der Entwicklung noch veränderte, ist unbekannt.

Nichtsdestotrotz führte eine bereits hohe Investitionssumme in das Projekt zu einem enormen Verlust. Circa 98 Millionen US-Dollar musste Disney in Kauf nehmen. Schade eigentlich, dass wir nie erfahren werden, wie dieses Märchen wohl geworden wäre. Anscheinend hat Disney seine Konsequenzen aus Arlo & Spot gezogen, der in seiner Entstehungsphase unter Personalkonflikten und Entwicklungsproblemen litt und letztendlich nur eine mäßige Handlung zustande brachte und für stagnierende Umsätze sorgte. Daher ist davon auszugehen, dass man bei Gigantic nie so richtig wusste wohin die Reise geht. Kurzerhand wurde das Projekt beendet.

*Es handelt sich um branchenübliche Schätzungen, daher können tatsächliche Zahlen abweichen. Ungeachtet dieser Gegebenheit sind die hier aufgeführten Filme zweifellos finanzielle Enttäuschen betrachtet man die Investitionen/Kosten

Bilder/Grafiken: Disney, Disney·Pixar, Disney Wiki


Eure Meinung ist gefragt: Welcher dieser Film hat euch trotz Verlust am besten gefallen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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6 Kommentare zu „Die größten Disney Flops

  1. Also ich für meinen Teil liebe „Arlo & Spot“ sehr. Natürlich wird der Film niemals an ein „Ratatouille“ oder „Toy Story“ ran kommen, aber ich kann nicht verstehen wie manche teilweise den Film so runter machen: er hat süße Charaktere, ist toll animiert und was will man mehr?
    Ein super Blogbeitrag übrigens 🙂
    Liebe Grüße, Gina

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, Gina! 🙂 Und danke für deine lieben Worte. Das freut mich wirklich.
      Ich stimme dir da auch gerne zu. Und wenn man deinen Kommentar so liest, bekommt man echt Lust Arlo & Spot die Tage mal wieder zu schauen. Es ist echt schon etwas her bei mir als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Süße Charaktere sind es wirklich. Also, ich weiß schon, was ich am Wochenende schauen werde 😀

      Gefällt 1 Person

  2. Huhu 🙂

    Also “ A world beyond“ fand ich auch ebenfalls nicht wirklich toll, der Film war irgendwie sehr chaotisch und ich habe das Disney Feeling sehr vermisst.
    Bei „Alice im Wunderland“ bin ich etwas anderer Meinung, wobei du natürlich recht hast, irgendwas hat gefehlt. Dennoch waren die Grinsekatze und der Hutmacher wahre Highlights. Beide Teile fand ich in Ordnung 🙂 Nicht herausragend, aber okay.

    Liebe Grüße Jenny 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Ich liebe die Grinsekatze 😅😊 Die sieht in den Realverfilmungen total flauschig aus! Die ist sehr gut gelungen. Und der Hutmacher natürlich auch 😊
      Da stimme ich dir zu! 🙃

      Gefällt 1 Person

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