Disney·Pixars „Coco“ (Rezension)

Passend zur Blu-ray und DVD Veröffentlichung des Disney·Pixar Abenteuers „Coco“ präsentiere ich euch meine persönliche Filmkritik des Films. Lohnt sich die Reise ins Reich der Toten und der Kauf der Blu-ray?

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Szenenbild aus dem Pixar-Film „Coco“ | © Pixar Animation Studios

Coco und das Reich der Toten

„Coco“, so heißt nun das 19. Meisterwerk aus dem Hause Pixar und entführt seine Zuschauer in die mexikanische Folklore, sowohl musikalisch als auch visuell und ins Reich der Toten. Hinter dem titelgebenden Namen steckt Miguels Urgroßmutter Coco, die aufgrund ihres hohen Alters und die daraus resultierende Senilität ihrem Enkel Miguel und dessen Familie (Rivera) zunehmend Sorgen bereitet. Doch dies hindert Miguel nicht daran seinem Wunsch Musiker zu werden nachzugehen, genauso wie sein großes musikalisches Vorbild der verstorbene und legendäre Ernesto de la Cruz, was zu familiären Spannungen führt. Denn Musik ist in der Familie strikt verboten. Seitdem der Vater von Coco die Familie verlassen hat, um als Musiker und Liedermacher durch das Land zu ziehen und nie mehr zurückkehrte, folgte eine regelrechte Abstinenz von Musik in der Familie über Generationen hinweg. Als Miguel am Día de los muertos (der Tag der Toten), ein traditioneller Feiertag in Mexiko zum Gedenken an die Verstobenen, zum Friedhof zum Grab von Ernesto de la Cruz flüchtet und dessen legendäre Gitarre entdeckt, landet er plötzlich im Reich der Toten…

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Szenenbild aus dem Pixar-Film „Coco“ | © Pixar Animation Studios

Botschaft wichtiger als die Geschichte

Im Verhältnis zwischen der Zeit im Reich der Toten und der Lebenden, muss der Film sich eingestehen, dem Aufbau einer tiefsinnigen Geschichte über visuelle Raffinessen hinaus wenig Raum zu geben. So wirkt das Grundgerüst der Handlung recht schnell und einfach konstruiert gegenüber der Tiefe und Bedeutsamkeit der Botschaft, die dem Film zugrunde liegt. Es ist unübersehbar, welches Potential in der Geschichte von Urgroßmutter Coco liegt. Hätte Coco so viel Mut besessen wie Alles steht Kopf, wäre dies ein bahnbrechendes Werk geworden. So steht die Demenz von Urgroßmutter Coco symbolhaft für die Bedeutsamkeit des Gedächtnis an die Verstorbenen, die nur im Reich der Toten überdauern können, solange sie in den Erinnerungen der Lebenden verweilen. Bildhaft hierfür stehen Ofrendas, Altäre, die traditionell in Mexiko mit Bildern der Verstorbenen bestückt sind und zum Día de los muertos farbenfroh ausgeschmückt werden. Doch was tun, wenn die eigene Erinnerung irgendwann erlischt? So muss sie fortgetragen werden, um die Zeit und Generationen zu überdauern. Die fortschreitende Demenz von Coco spiegelt dies zugespitzt rührend und emotional wieder, doch offenbart leider den fehlenden Mut genauer die Tragik einer Demenz zu beleuchten. Coco hätte mehr verdient als nur für den Anfang und das Ende dieses Films zu dienen. Schmälert es die Kraft der Botschaft? Natürlich nicht. Dennoch hätte man diese wunderschön arrangierte Analogie viel mehr herausarbeiten können. Vor allem, wenn Erinnerungen an geliebte Personen das letzte sind, was man hat. Auf der anderen Seite ist eine kindgerechte Aufarbeitung dieser Thematik sehr schwer. Ansonsten besticht der Film durch kurzweilige abwechslungsreiche Handlungen, die dem Zuschauer staunend und gespannt an die Geschichte binden.

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Szenenbild aus dem Pixar-Film „Coco“ | © Pixar Animation Studios

Musikalisch traditionsgetreu

Trotz der dramatischen Geschichte verzichtet der Film selten auf eine typisch mexikanisch musikalische Untermalung. Sobald fröhliche und atmosphärische Sequenzen emotionalen oder spannenden Filmpassagen weichen, so gleitet die Musik von Mariachi in eine klassische Instrumentalisierung und bildet somit einen funktionierenden Kontrast, um Bildsprache und Musik zu harmonisieren, die dem Zuschauer die Intention der Szene deutlich spüren lässt. Zu Beginn wird daher typische Mariachi Musik gespielt, die sich fast durch die ganze Anfangsszene zieht, ohne dabei aufdringlich zu wirken, die bei großen Veränderungen kurzweilig traditioneller klassischer Musik die Bühne überlässt. Man wird sofort in mexikanischem Flair versetzt. Dies ist dem Komponisten Michael Giacchino zu verdanken, der schon für zahlreiche Pixar Filme den Soundtrack schrieb. Auch hier gelingt ihm wieder die Bedeutung der Musik in wichtigen Momenten in den Vordergrund und genauso in den Hintergrund zu stellen, wenn Dialoge und intensive oder emotionale Abläufe im Mittelpunkt stehen. Neben der klassischen Instrumentalisierung gibt es originäre Songs wie z.B. „Remember Me“, der über den Film hinweg in unterschiedliche Interpretationen auftaucht. Alle Songs stammen aus der Feder von dem Musikerduo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez, die ihr Talent schon bei Die Eiskönigin unter Beweis stellen konnten. Trotz dieser Songs gleitet der Film niemals in die Form eines Musicals ab, obwohl Musik der Fokus dieses Films und so bedeutsam für wichtige Figuren ist. Dennoch würde ich sagen, dass es perfekt ausgeglichen ist, um viele Zuschauer begeistern zu können. Keiner dieser Songs wurde zum Hit, doch gelang es den Lopez‘ erneut einen Oscar für ihr Schaffen zu bekommen. Verdient wie ich finde.

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Szenenbild aus dem Pixar-Film „Coco“ | © Pixar Animation Studios

Erstklassige Bildwelten

Pixar gelingt hinsichtlich der Bildwerte wie immer ein perfekt inszeniertes Animationsspektakel, welches der traditionellen Grundlage mehr als nur gerecht wird, indem es aus verschiedenen perspektivischen Winkeln viele Details der porträtierten Szenerie wiedergibt. Schon lange hat man nicht mehr eine derartig erstklassige Symbiose zwischen Animationskunst und der zugrundeliegenden kulturellen Wirklichkeit erlebt. So besticht der Film vornehmlich durch eine farbenfrohe und leuchtende Farbpalette, die vor allem im Reich der Toten zur Geltung kommt. Bemerkenswert ist wie immer die Details, die man erst bei mehrmaligen Schauen entdecken wird. Das betrifft zum einem die grandios gestaltete Umgebung als auch die Charaktere, sowohl in Skelettform als auch in lebender Form. Die mit Blüten und Blättern überdeckten Brücken, Verbindungsstelle zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten, sprühen nur so vor erstklassiger Animation. Jedes einzelne Blatt fliegt bei Berührung durch die Gegend. Die sogenannten Geistführer (Fabelwesen) kommen sogar in neon-leuchtenden Farben daher und setzen sich von der bereits bunten Kulisse deutlich ab. Wenn die Geschichte in gravierende oder düstere Umstände gelangt, so verändert sich die Umgebung in deutlich dunklere Farben. Genauso dient die Farbauswahl auch als Kontrast, wenn der Abschied durch ein letztes Aufleuchten zelebriert wird. Wie nicht anders zu erwarten kann hier Coco auf ganzer Linie überzeugen und bringt jedem zum Staunen.

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Szenenbild aus dem Pixar-Film „Coco“ | © Pixar Animation Studios

Charaktere sind eher kurzweilig

So glanzvoll und beeindruckend die audio-visuellen Arrangements wirken, umso inhaltslos wirken teilweise einige Figuren. Wie zuvor erwähnt ist die Botschaft wichtiger, wodurch eine facettenreiche Charakterzeichnung leidet. So sind alle eigentlich nur von einem getrieben: Musik. Entweder als Fluch (Familie Rivera) oder als Segen (Miguel, Ernesto de la Cruz). So schickt Ururgroßmutter Imelda Miguel unter der Bedingung, nie mehr Musik zu machen, zurück ins Reich der Lebenden. Der Grund hierfür ist klar: Seitdem der Vater die Familie für seine Musik verlassen hat, ist diese regelrecht verbannt worden. Leider bleibt es bei dieser einfachen Erklärung und man erfährt nicht wirklich die Tiefe, die dahinter steckt. Dies versucht eher die stimmungsvolle Musik auszugleichen. Demgegenüber steht die Geschichte von Ernesto de la Cruz, der getrieben von Musik und dem Erfolg ist. Dies muss anscheinend als Charakterzug ausreichen. Denn darauf begründet sich sein ganzes Handeln und Wirken in dem Film. Jedoch deutlich zu kurz kommen für mich die Figuren Coco und etwas Héctor. Stärker ausgearbeitet hätte der Film nicht nur aufgrund seiner erstaunlichen Nähe zu den mexikanischen Traditionen und deren Umsetzung bestechen können, sondern auch durch wegweisende Charaktere, vor allem bei Coco. Aber vielleicht wäre dies auch zu viel gewesen? Man wird es nicht erfahren. Neben den Hauptfiguren bekommen wir natürlich auch einen süßen Sidekick zu sehen, der felllose Straßenhund Dante. Er ist niemals sinnlos oder nervig wie der Hahn Hei Hei in Vaiana. Ganz im Gegenteil. Seine Bedeutsamkeit ist angemessen und realistisch genug, sodass sie niemals über die Fähigkeiten eines Hundes hinausgeht. Letztendlich gelingt dem Film etwas, was trotz der Defizite den Zuschauer zu Tränen rührt; ein wirklich emotionales Ende, das die Botschaft auf wunderschöne Art und Weise transportiert. So endet der Film ungefähr dort, wo er begonnen hat, bei Urgroßmutter Coco.

„Du musst ihm nicht vergeben, aber wir sollten ihn nicht vergessen“ — Miguel

Bluray Coco
„Coco“ Blu-ray | © Stehni’s Blog

Fazit

Coco ist ein wunderschöner Film für Augen und Ohren und hält eine herzerweichende und bewegende Botschaft parat, die traditionelle und kulturelle Werte und dessen Essenz realitätsgetreu porträtiert, jedoch nicht den Mut aufbringt eine universelle und bahnbrechende Idee umzusetzen. Ich kann dennoch jedem diesen Film nur ans Herz legen! Er gehört definitiv in jede Disney Sammlung! Pixar sollte weiterhin auf originäre Geschichten setzen. Doch vorerst erwarten uns bis einschließlich 2019 Fortsetzungen von Pixar. Solange bestaunt zusammen mit Miguel das Reich der Toten und erlebt einen Teil der mexikanischen Kultur.

Coco Rating

Spieldauer: 105 Minuten | FSK: 0

Weitere Infos: Original Cast | Deutsche Synchronsprecher | Trailer

Bilder/Grafiken: Stehni’s Blog, Disney·Pixar, Disney Wiki


Jetzt seid ihr gefragt: Wie hat euch „Coco“ gefallen? Werdet ihr euch den Film kaufen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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5 Kommentare zu „Disney·Pixars „Coco“ (Rezension)

  1. Ich habe den Film heute nochmal geschaut, weil ich endlich die DVD habe😻😻 Und ich finde deine Sicht sehr deutlich und detailreich erklärt, und ich kann dir in so vielen Punkten zustimmen. Der Film hat mehr Potenzial als er ausschöpft. Ich finde die Botschaft daher einfach so toll. Die Menschen, die wir lieben verlassen uns nicht, solange wir nicht aufhören an sie zu glauben/denken. Ich finde diese Erklärung vom Tod nicht nur für Kinder super erklärt, sonder auch für Erwachsene. Das ist mein Senf, den ich eben noch dazugeben wollte😊
    Meine Rezension erklärt das andere: Dass ich diesen Film liebe und mich Disney wieder voll in den Bann gezogen hat!
    Sophia😇

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Sophia 😊 Vielen Dank für deinen tollen Kommentar!
      Ich finde, du bringst es nochmal gut auf dem Punkt. Und genau das finde ich auch so schön gelungen an dem Film! 😊 Ich kann ihn mir auf jeden Fall sehr oft anschauen 😍 Die DVD im Regal muss einfach sein 😃

      Gefällt 1 Person

  2. Eine richtig tolle, detailreiche Rezension 🙂
    Ich hatte den Film ja bereits im Dezember im Kino gesehen und war mit dem 3D-Effekt und den Farben einfach hingerissen. Wie du auch schon geschrieben hast, hat mich das Ende auch einfach gepackt und mich so sehr zum Weinen gebracht, was für mich sehr untypisch ist. Kann aber auch an einer persönlichen Erfahrung liegen, dass mir das so ans Herz ging.
    Liebe Grüße, Gina

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Gina! Vielen Dank für deinen netten Kommentar 😊
      Ja, das Ende ist sehr emotional. 😢 Dieser Film wird definitiv immer ein Geheimtipp unter den Pixar Filmen sein. Ich werde mir Coco am Wochenende nochmal anschauen ✨

      Gefällt 1 Person

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