The Legacy Collection: Fantasia (REVIEW)

In dieser Serie von Rezensionen befasse ich mich mit der „The Legacy Collection“ von Disney Records. Diese Kollektion widmet sich den Juwelen unter den Orchestrierungen / Soundtracks bekannter Disney Klassiker passend zu deren Jubiläum. Den Anfang macht einer der ambitioniertesten Filme von Walt Disney: Fantasia.

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Rückseite | © Stehni’s Blog

Vorweg war es für mich eine Herausforderung eine angemessene Bewertung für dieses bahnbrechende Projekt zu schreiben. Bei Disney sind Musik und Bild unweigerlich miteinander verbunden und untrennbar. Gerade bei Fantasia ist es mehr als eine Liaison zwischen Bildsprache und musikalischem Ausdruck. In diesem Fall mit dem einmaligen Unterschied, dass die Musik nicht für die fertigen Animationen geschrieben wurde, sondern umgekehrt (wie später bei Make Mine Music und Fantasia 2000). Die Kompositionen waren bereits vorhanden und stammen von Jahrhundertkomponisten wie zum Beispiel Ludwig van Beethoven und Peter Tschaikowski, die Walt Disney dienten, um kunstvolle Visualisierungen zu kreieren, die nicht vor avantgardistische Eigenarten zurückschrecken und ihresgleichen suchen. Nun soll es natürlich primär in dieser Rezension um die Veröffentlichung The Legacy Collection: Fantasia gehen, was auch die Aufmachung der Ausgabe, sowie den Inhalt berücksichtigt. Ob sich der Kauf wohl lohnt?

Wunderschöne Aufmachung mit Tücken

Worauf achten wir meistens als erstes? Definitiv auf das Design und die Aufmachung, vor allem, wenn es sich um eine Sammelausgabe handelt. Und die kann sich auf jeden Fall sehen lassen! Das Cover und weitere Illustrationen im Booklet wurden von der begnadeten spanischen Künstlerin Lorelay Bové entworfen. Dabei erstellte sie mehrere Gouachemalereien, die Sequenzen aus dem Film wiedergeben und dem Bookelt beigefügt wurden. Das hier gewählte Cover ist die ikonische Szene aus Fantasia als Mickey versucht über seine Fähigkeiten, die eines Zauberlehrlings, hinauszuwachsen und sich währenddessen einer Fantasterei hingibt. Wer war nicht selber schon mal in so einer Situation? Diese Illustrationen sind absolut wunderschön (und leider recht klein). Daher auch eine begrüßenswerte Entscheidung, dass Lorelay Bové alle Cover der Kollektion kreieren wird. Übrigens startete sie ihre Karriere im Mäusekonzern als Praktikantin bei Pixar und arbeitete später an vielen Projekten wie Küss den Frosch und Rapunzel – Neu verföhnt. Schade, dass es die Cover nicht im Großformat gibt.

Diese Sonderausgabe ist standardmäßig als Digipack erhältlich, daher kein hässliches und billiges Jewel Case aus Plastik. Das integrierte 14-seitige Booklet ist fest mit der Hülle verbunden und kann dem Digibook nicht entnommen werden. Und da nimmt die Liste der Nachteile dieser Ausgabe ihren Anfang. Auch, wenn diese nur sehr kurz ist. Denn leider entstehen durch die feste Verbindung von Booklet und Hülle oft Risse im Material (Verbindungsstelle), weswegen ich den Artikel mehrmals zurückschicken musste, bis ich feststellte, dass dies ein Standardmakel der ganzen Reihe ist. Wobei anzumerken ist, dass dieser Fehler nicht durchgehend auftreten muss. Denn beim dritten Anlauf habe ich eine Version erhalten, die beinahe perfekt war.

Warum nur beinahe? Die „Taschen“, in der die CDs geschoben werden, sind etwas klein bemessen (oder gerade richtig?), wodurch die CDs bei Druck sich unten durchdrücken und die Taschen etwas einreißen, sodass die CDs unten hervorschauen. Dies ist bisher nur bei der Ausgabe von Fantasia vorkommen und der Fehler war bereits bei Lieferung vorhanden. Wohlgemerkt muss auch dieser Fehler nicht immer auftreten. Und wenn doch, ist es zu vernachlässigen, auch wenn es mir erst schwer fiel. Ansonsten lohnt es sich bei online Bestellung den Artikel gegen einen neuen austauschen zu lassen, insofern der Händler kulant ist. Diese beiden negativen Aspekte tun dem tollen Design kein Abbruch. Die Druckqualität ist einwandfrei und die Farben leuchten richtig. Das Digipack macht insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck, und zudem ist es an sich ganz gut gelöst, dass das Booklet fest verbunden ist, so kann es nie verloren gehen.

Der Inhalt kann sich sehen lassen

Design hin oder her, letztendlich zählt vor allem der Inhalt, der entscheidend für einen Kauf ist. The Legacy Collection: Fantasia erschien zum 75. Jubiläum im Jahr 2015. Die Sonderausgabe kommt mit vier CDs in vier separaten Taschen. Insgesamt beinhaltet diese Ausgabe 33 Titel mit einer gesamten Laufzeit von fast vier Stunden. Also genug Zeit, um in Erinnerungen zu schwelgen und in klassischer Musik zu versinken. Dabei umfassen 16 Titel (CD 1 und CD 2) die originalen Aufnahmen aus dem Jahr 1940 mit Leopold Stokowski als Dirigent gespielt von dem Philadelphia Orchester, die auch im Film zu hören sind. Zudem wurden alle 16 Titel von Irwin Kostal als Dirigent erneut im Jahr 1982 aufgenommen, die auf CD 3 und CD 4 zu finden sind. Diese haben durch die Zeit bedingt eine bessere Aufnahmequalität, weisen jedoch gegenüber den Aufnahmen von 1940 eigene Akzente auf. Dazu gibt es noch zwei Bonus-Titel, „The Sorcerer’s Apprentice“ („Der Zauberlehrling“) und „Peter and the Wolf“ („Peter und der Wolf“), deren zugrundeliegenden Geschichten neben der musikalischen Untermalung begleitend von Sterling Holloway (im englischen die Stimme von Winnie Puuh) erzählt werden (CD 2 und CD 4). Abschließend gibt es noch eine wunderschöne Version von „Claire de Lune“ (original Aufnahme aus dem Jahr 1940), die leider nicht mit in dem Film aufgenommen wurde, jedoch nun einmalig auf dieser Ausgabe zu finden ist (CD 2).

Fantasia CD 1
CD-Slots | © Stehni’s Blog

Der Umfang dieser Sonderausgabe ist somit ganz schön beachtlich. Neben den Datenträgern gibt es noch das wunderschön gestaltete Booklet, welches in englischer Sprache gehalten ist. Es ist auch nicht in deutscher Sprache erhältlich. Zudem sei angemerkt, dass die komplette Kollektion ausschließlich den originalen englischen Soundtrack berücksichtigt. Wer also gerne den deutschen Soundtrack haben möchte (bei Fantasia unerheblich), der sollte auf alte Veröffentlichungen auf deutsch zurückgreifen. Das Booklet beschreibt ausführlich die Entstehungsgeschichte von Fantasia. Wie zum Beispiel zunächst eine Geschichte gesuchte wurde, die bereits in der Musik existiert. So landete „The Sorcerer’s Apprentice“ von Paul Dukas auf das Tableau der Animateure. Das heißt, erst wurden die Rechte der Musik gesichert. Anschließend brauchte das Projekte noch das nötige Prestige, was durch Leopold Stokowski etabliert werden konnte. Diese Geschichten, Anekdoten, Zitate und Erläuterungen zu den einzelnen Kapiteln in dem Film inklusive Fotos findet man in dem Booklet.

Fantasia Booklet 1
Heftausschnitt | © Stehni’s Blog

Wenn Imagination und Musik miteinander verschmelzen

Bei Fantasia geht es primär um die Visualisierung von Musik:

„In a profession that has been an unending voyage of discovery in the realms of color, sound, and motion, Fantasia represents our most exciting adventure. At last, we have found a way to use in our medium the great music of all times and the flood of new ideas which it inspires“ — Walt Disney

Dieses Zitat beschreibt den Auftrag von Fantasia perfekt. Direkt beim ersten hören regt die Musik die Imagination an, sei es durch Erinnerungen an den Film und dessen erstaunlicher Visualisierung oder durch eigene Vorstellungskraft. Denn Musik macht nichts anderes als unseren Geist herausfordern und zum Nachdenken oder Imaginieren anzuregen. Denn ohne den Film vor Augen funktionieren die großartigen Kompositionen von Beethoven, Dukas, Schubert, usw. dennoch. Dies zeichnet grandiose und komplexe klassische Musik aus, die Walt Disney versuchte mittels einer überlegten Auswahl von Stücken wiederzugeben. Und genau das gelingt Fantasia! Fantasia möchte nichts anderes als (klassische) Musik dem Empfänger näher zu bringen. Es ist eben eine universelle Sprache: Musik sehen, Bilder hören.

Fantasia Booklet 2
Heftausschnitt | © Stehni’s Blog

Meine Lieblingsstücke finden sich größten Teils auf der zweiten Hälfte des Soundtracks (CD 2 & CD 4). Dazu gehört „The Pastoral Symphony“ (Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 (Pastorale)) von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827), komponiert zwischen 1806 und 1808. Die Animateure wählten die griechische Mythologie, genauer den Olymp als Ort und die griechischen Götter als Protagonisten sowie Fabelwesen zur Visualisierung dieser meisterhaften Sinfonie. Dieses Stück ist wunderschön, ob mit oder ohne Film. Allein der nostalgische Charakter dieser Aufnahmen verleiht dem Stück zudem eine Einzigartigkeit, die unweigerlich Erinnerungen an den Film wach rufen. Es sollte einem daher klar sein: Man hört hier keine Master Spur oder einen klaren Klang, der heutigen Aufnahmen nahe kommt. Es handelt sich um die identische (restaurierte) Fassung, die man auf der heutigen Blu-ray hört. Der Klang der Neuaufnahmen ist dabei besser (CD 3 & CD 4). Als zweites Stücke liebe ich den Bonus-Track „Claire de Lune“ von Claude Debussy. Dieser Titel gehört ohnehin zu meinem Favorit aus dem klassischen Musikrepertoire. Nur leider fiel es bei Fantasia dem Filmeditor zum Opfer. Später wurde das Stück dennoch in dem Film Make Mine Music verwendet.

Fantasia Booklet 3
Heftausschnitt | © Stehni’s Blog

Als letztes Stück möchte ich „Ave Maria“ von Franz Schubert (1797 – 1828) erwähnen, dass auf das brachiale und zugleich gegen Ende fragile Stück „A Night on Bald Mountain“ von Modeste Moussorgsky (1839 – 1881) folgt. Ich denke fast jeder dürfte das Meisterwerk von Franz Schubert einmal gehört haben. Kenner werden merken, dass beide Stücke nicht unterschiedlicher sein könnten, und es gleich als Wagnis erscheint, dass „A Night on Bald Mountain“ in „Ave Maria“ ohne Pause überblendet. Interessanterweise endet das Stück von Modeste Moussorgsky mit derselben leisen Note mit der „Ave Maria“ beginnt. Ein perfekte Kombination, um gleichzeitig den Film und diesen Soundtrack zu beenden und von Düsternis in Hoffnung überzugehen. Wenn da nicht die Übersetzung des deutschen Texts ins englische gewesen wäre. Das mag vielen sehr kleinkariert vorkommen, aber für mich sollten Texte aus klassischen Werken niemals übersetzt bzw. aufgenommen werden wie man es schon bei Opern pflegt. Das ändert natürlich nichts an der Schönheit des Stückes.

Eins stand schon vorher fest für Walt Disney, dass dieser Konzertfilm ein Risiko war:

„Of course we were taking a chance with this, but I don’t feel scared about it. We’ve tied seven or eight shorts together and it’s too much, we know that. And this [Ave Maria] definitely has an effect – you can’t definitely tell until you’ve put it in there, but I think it has an effect“ — Walt Disney

Doch dieses Wagnis ging er gerne ein und hoffte, dass der Film für viele Jahre in den Kinos laufen würde:

„[…] perhaps even after I’m gone“ — Walt Disney

Für wen lohnt sich diese Sonderedition?

Diese Sammelausgabe ist bis dato einmalig, sowohl vom Umfang, der Liebe zum Detail und der Fülle an Informationen im Booklet. Nun stellt sich nur noch die Frage: Wer sollte sich diese Ausgabe kaufen? Vorerst sollte einem klar sein, dass es sich hier um rein klassische Musik handelt, die als Standard- und Meisterwerke gelten. Daher gibt es hier keinen Gesang (außer „Ave Maria“) und keine zwingend starke Assoziation zu dem Film Fantasia. Wem also klassische Musik à la Beethoven nicht sonderlich gefällt, sollte die Finger von diesem Soundtrack lassen, andernfalls würde man sich wohl zu Tode langweilen.

Für alle anderen, die darüber nachdenken sich die The Legacy Collection anzuschaffen und zu sammeln oder zumindest den Soundtrack von Fantasia gerne als physisches Medium haben möchten, dem kann ich einwandfrei diese Ausgabe empfehlen. Keine bisher veröffentlichte Ausgabe zu Fantasia war so umfangreich wie diese.

Fantasia Legacy
The Legacy Collection | © Stehni’s Blog

Tipps

Nun zum Preis: In Deutschland ist die Sonderausgabe deutlich teurer als in anderen Ländern, vor allem im Vergleich zu den USA. Zum Beispiel kostete The Legacy Collection: Fantasia beim größten Online-Händler hierzulande circa zwischen 30 und 38 Euro, als ich den Soundtrack gekauft habe. Der Preis schwankt jedoch stark und kann auch mal deutlich niedriger sein. Solltest du daher darüber nachdenken dir diese Ausgabe zu importieren, beachte bitte dabei den Zoll und etwaige Kosten. Ich persönlich habe diese Veröffentlichung in Deutschland gekauft. Solltest du zum Beispiel bei Amazon (Verkauf und Versand durch Amazon) auf Importe mit niedrigem Preis stoßen, so kannst du ohne Sorgen diese Version kaufen, denn es gibt ohnehin nur eine Version bei allen Ausgaben aus dieser Kollektion. Zudem gibt es eine Box mit allen bis 2016 erschienen Ausgaben in dieser Kollektion. Jedoch ist diese teurer, als wenn man jeden Titel einzeln kauft.

Version mit Lithografie: Im amerikanischen Disney Music Emporium Shop werden alle Soundtracks der Legacy Collection zusätzlich wahlweise mit 2 Lithografien angeboten, die entweder das Cover oder die Rückseite der Hülle darstellt. Ein wirklich schöner Zusatz, der leider nur dort erhältlich ist.

Für alle, die nur noch streamen: Da es sich hier um eine exklusive Sammelausgabe handelt, sind einige Titel wie u.a. die Bonus-Tracks nicht auf Streaming-Plattformen verfügbar! Dennoch kann man sich dort einen Überblick über die Titel und deren Klangqualität verschaffen.

Download: Diese Ausgabe steht inklusive digitalem Booklet bei den branchenüblichen Anbietern als Download zur Verfügung. Dabei ist der Preis auch deutlich billiger, circa 20 Euro. Wem aber der Hörgenuss sehr wichtig ist, dem empfehle ich Qobuz. Hier bekommt man alle Inhalte auch in CD-Qualität (16 Bit) zum fast gleichen Preis wie die physische Ausgabe. In diesem Fall daher leider kein großer Preisunterschied. Dies ist aber von Album zu Album unterschiedlich.

Fazit

Eine wirklich gelungene und schöne Ausgabe mit ein paar Defiziten in der Verpackung. Dennoch überwiegen eindeutig die Vorteile dieser Sammeledition. Wer also einen Grund sucht, um mit dem Sammeln dieser tollen Kollektion zu beginnen, hat mit Fantasia: The Legacy Collection einen gefunden, sofern man klassische Musik mag.

Fantasia Legacy Rating

Nächste Rezension: The Legacy Collection: Mary Poppins

Bilder/Grafiken/Videos: Stehni’s Blog, Disney Wiki, Disney, YouTube


Jetzt seid ihr gefragt: Kauft ihr euch gerne mal Soundtracks? Interessiert euch die Disney „The Legacy Collection“? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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Ein Kommentar zu „The Legacy Collection: Fantasia (REVIEW)

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