Disneys „Der König der Löwen“ (2019) (Rezension)

Der König ist zurück gekehrt! An den Realverfilmungen scheiden sich bekanntlich die Geister. Die einen finden sie grundsätzlich überflüssig, die anderen wollen entweder eine Neuinterpretation oder ein 1:1 Remake. Letztere kommen bei dem fotorealistischen Kinospektakel voll auf ihre Kosten. Doch kann die neue Version von Der König der Löwen wirklich überzeugen?

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Szenenbild aus dem Disney-Film „Der König der Löwen“ | © The Walt Disney Company

Der König ist zurück gekehrt

Nach 25 Jahren besteigt der König erneut den Königsfelsen. Denn die Veröffentlichung des Originals als Trickfilm liegt schon ein Vierteljahrhundert zurück. Doch dieses Mal ertönt das Brüllen von Simba nicht aus einem Cartoon-Charakter, sondern aus einem CGI-Konstrukt, dass einem realen Löwen erschreckend nahe kommt. Bei dieser Verfilmung erweist sich die Erstellung einer Rezension äußerst schwierig, weil wie bewertet man einen Film, der nicht viel Neues bietet und sich hauptsächlich der Erzählstruktur des Originals bedient? Doch später mehr dazu. Soviel zur allseits bekannten Geschichte soll dennoch verraten werden: Simba, der Neugeborene von Sarabi und Mufasa, der König des geweihten Landes, soll eines Tages in die Tatzen seines Vaters treten und das Erbe als König antreten. Wenn da nicht der hinterhältige Onkel Scar wäre, der auf seine Chance wartet, das Königreich sein Eigen zu nennen. Eine Geschichte, die Herrschsucht, Rache und Verrat, Lüge und Schuldgefühle, Stolz, Verantwortungsbewusstsein und Bestimmung miteinander verbindet wie keine andere. Aber genauso auch das Motto „Hakuna matata“ in den Vordergrund stellt, das Leben einfach mal das Leben sein zulassen und nicht an Probleme zu denken. Gäbe es ein Handbuch wie eine perfekte Filmgeschichte zu sein hat, dann erfüllt es Der König der Löwen auf ganzer Linie. Wie schon sein Vorgänger eben ein Meisterwerk, oder?

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Szenenbild aus dem Disney-Film „Der König der Löwen“ | © The Walt Disney Company

Spektakulärer Fotorealismus und ein Appell an den Menschen

Ein Hauptgrund, warum man diese Neuverfilmung unbedingt sehen sollte, sind die erstaunlich real aussehenden Tiere. Eine Technik mit Zukunft! Als ich im Kino saß, ist mir nicht nur die eindrucksvolle fotorealistische Szenerie ins Auge gefallen, vielmehr hat mich der Gedanke nicht losgelassen, Tiere von ihrem Leid als Filmrequisite zu befreien, gänzlich auf Lebewesen in Filmen zu verzichten und durch CGI-Figuren zu ersetzen. Wenn es hier schon geht, dann garantiert erst recht in der Zukunft. Der Regisseur Jon Favreau (The Jungle Book) beweist dies fast durchgehend mit Elementen, die einen an Dokumentarfilme erinnern, wie übrigens ursprünglich schon der Trickfilm sein und dabei auf jeglichen Anthropomorphismus, ja auch der Gesang, verzichten sollte. Die Neuverfilmung versucht diese ursprüngliche Idee teilweise aufzugreifen, indem zum Beispiel zu Beginn der Zuschauer eine kleine Maus auf ihrer Wandertour nach Nahrung begleitet, ehe sie von Scar in einer Höhle bei ihrer Suche unterbrochen wird. Filmisch erstklassig umgesetzt und gleichzeitig auch erschreckend. Anhaltendes Artensterben und der sich fortsetzende Klimawandel könnten bald ein Horrorszenario Realität werden lassen, einige Lebewesen der Flora und Fauna nur noch anhand von fotorealistischen Computeranimationen erlebbar zu machen. Es lohnt sich hinter die technischen Errungenschaften, die dies möglich machen, zu blicken und sich zu fragen, inwiefern dieser Film ein Armutszeugnis der Menschheit ist. Kennern dürfte aufgefallen sein, dass in der Eröffnungsszene während des ikonischen Liedes „Der ewige Kreis“, ein Nördliches Breitmaulnashorn zu sehen ist, welches leider nur noch aus zwei weiblichen Tieren besteht und somit demnächst nicht mehr auf diesem Planeten vorzufinden sein wird. Dies ist leider nur ein Beispiel von sehr vielen. Mittlerweile stehen 25% der gesamten Artenvielfalt auf der roten Liste, die vom Aussterben bedrohte Tiere auflistet. Der Film kommentiert dies leider nie. Wie sollte er auch. Nichtsdestotrotz ist an einzelnen Stellen erkennbar, dass die Tiere nicht immer ganz real wirken. In jedem von uns schlummert eben ein Urinstinkt, der uns sagt, was real ist und was nicht. Und auch hier gibt es immer mal kleine Gegebenheiten, die noch nicht ganz perfekt erscheinen. Abseits des manchmal befremdlich atypischen wirkenden Umgang der Tiere unter einander, ist die technische Leistung atemberaubend. Eine Meisterleistung!

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Szenenbild aus dem Disney-Film „Der König der Löwen“ | © The Walt Disney Company

Neuinterpretation? Wohl eher eine 1:1 Kopie

Abseits der filmischen Umsetzung, wollen wir natürlich unterhalten werden, und das im besten Falle mit einer guten Geschichte. Diese Geschichte lässt sich ganz einfach beschreiben: 1:1 Kopie. Ja, nicht nur eine Kopie, die Dialoge und Erzählstruktur übernimmt, sondern auch ganze Kamerafahrten- und einstellungen vom Trickfilm imitiert. Natürlich gibt es kleine Änderungen hier und dort, aber grundsätzlich lässt sich statuieren, dass Der König der Löwen eine Update-Version ist. Ehrlicherweise kam ich mir teilweise etwas merkwürdig vor, dass ich gerade einen Film schaue, den ich zuhause schon auf Blu-ray habe. Der Gedanke des Ideenklaus ist keineswegs eine Übertreibung. Interessanterweise wird im Abspann keiner der Mitwirkenden von der damaligen Verfilmung angegeben, obwohl offensichtlich viele Elemente dreist übernommen wurden. Wenn man den Film eines vorwerfen kann, dann fehlende Kreativität und Ideenreichtum. Es ist eben nicht damit getan, sich auf die atemberaubende technische Brillanz auszuruhen, wenn der Film genauso schon existiert. Anders als andere Realverfilmungen bietet diese Verfilmung keinen wirklichen Mehrwert, was den Inhalt betrifft. Dennoch soll erwähnt werden, dass dies sehr subjektiv ist, ob es als Nachteil oder Vorteil zu bewerten ist. Viele Disney-Fans wünschen sich eben eine original-getreue Umsetzung des Disney-Stoffes, was hier definitiv aufgetischt wird. Nicht mehr und nicht weniger.

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Szenenbild aus dem Disney-Film „Der König der Löwen“ | © The Walt Disney Company

Bleibt der Charme des Originals erhalten?

Betrachtet man den Nachhall des Films, so muss ich leider feststellen, dass er mir viel mehr aufgrund der tollen Schauwerte in Erinnerung geblieben ist und nicht wegen der Geschichte. Zuschauer, die jedoch das Original nicht kennen, werden trotz dessen auf ganzer Linie wundervoll unterhalten. Zwar ist ein Vergleich mit einer Vorgängerversion oftmals überflüssig, denn jeder Film sollte für sich betrachtet werden. In diesem Fall ist es jedoch gar nicht mal so abwegig beide Versionen miteinander zu vergleichen, wenn Disney sich schon die Mühe macht, uns eine Kopie zu spendieren. So fällt mir teilweise auf, dass einzelne Sequenzen wie aneinander gereiht wirken und gar nicht harmonisch ineinander übergehen. Dies mag genauso auch eine Schwäche des Klassikers zu sein. Umso mehr hätte man hier erwarten können, dass diese Lücken mit weiteren Anekdoten ausgeschmückt werden. Mit einer Laufzeit von 118 Minuten, also ca. 20 Minuten mehr Laufzeit, muss ich auch leider feststellen, dass ich nicht genau sagen kann, womit diese 20 Minuten gefüllt wurden sind. Denn mit zusätzlichem Inhalt wurden sie offensichtlich nicht gefüllt. Einige Szenen wurden einfach verlängert dargestellt oder um Naturaufnahmen ergänzt. Daher stellt sich die Frage, ob der Charme des Vorgängers erhalten werden konnte. Auch hier lässt sich keine eindeutige Antwort finden. Es gibt Momente, vor allem die Szenen mit dem jungen Simba, die durchaus sehr süß und äußerst charmant wirken. Für mich der beste Teil des Films. Sobald der Film eine emotionale Kehrtwende nimmt, begibt er sich auch in eine gewisse Bedeutungslosigkeit. The Jungle Book (2016) hat hier viel mehr Mut bewiesen, kleine Änderungen vorzunehmen, die risikoreicher aber auch nachvollziehbar waren. Hier wird zu 100% die Sicherheitskarte gewählt. Einen Welterfolg zu ändern, hätte dann doch die Finanzen zu sehr in Gefahr gebracht. Schade. Denn Ergänzungen hätten man schon erwarten dürfen.

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Szenenbild aus dem Disney-Film „Der König der Löwen“ | © The Walt Disney Company

Der Soundtrack brilliert zum größten Teil

Nun kommen wir zu einem Punkt, wofür ich das Original liebe: die Musik! Und auch hier darf man sich auf einen wundervollen und einzigartigen Soundtrack von Hanz Zimmer freuen. Ergänzt wird der Soundtrack natürlich um neue Gesangstimmen wie unter anderem Beyoncé, Donald Glover aber auch Seth Rogen und Billy Eichner in der amerikanischen Version. Die einzelnen Songs wurden in Details leicht verändert, was hauptsächlich daran liegt, dass dieser Version ein viel größeres Budget zur Verfügung stand, wodurch jeder Song mithilfe von Instrumenten und nicht durch Synthesizer wie im Original aufgenommen werden konnte. Dies lässt die Filmmusik in einem neuen Glanz erstrahlen, der noch viel mehr Spaß macht als jemals zuvor. Nach meinem Geschmack ist hier sogar die deutsche Version oftmals besser als die amerikanische. Doch an die deutschen Originalstimmen der 1994er Version kommt aber auch nicht der neue Soundtrack ran. Was mir als Musikbegeisterter am meisten Spaß bereitet, ist die neue instrumentale Vertonung, die reiner Hörgenuss ist. So begeistern mich vor allem die neuen Instrumentalversionen wie „Das Leben ist nicht fair“ oder „Rafikis Glühwürmchen“. Die ikonische Melodie wird hier in einer alternativen Instrumentalisierung wunderschön hervorgehoben, sodass ich sie schon mehrmals hören musste. Dieses neue Gewand macht auch nicht vor den Liedern „Ich will jetzt gleich König sein“ halt. Der beste Song des ganzen Soundtracks mit Gesang. Ich finde ihn sogar noch besser als die alte Version. Doch mit großer Freude geht oftmals auch Enttäuschung einher: So ist „Seid bereit“ zu einem langweiligen Sprechgesang verkommen, der schon in der amerikanischen Version sehr schlecht ist, und die deutsche Synchronstimme diesen leider übernehmen musste. Neben den bereits bekannten Songs gibt es neue Lieder von Beyoncé und Elton John. Achtung an alle Beyoncé-Fans: Ich finde „Spirit“ leider eine reine Enttäuschung. Komisch, dass Disney Beyoncé einen Song produzieren lässt, der im Film selbst keinen erwähnenswerten Einsatz findet. Mal wieder verspieltes Potential. Dies gilt nicht für den neuen Song „Never too late“ von Elton John. Ein Lied, was sich perfekt in die Reihe von „Circle of Life“ und „Can You Feel the Love Tonight“ einreiht. Zudem kann ich euch die neue Version „He Lives in You“ von Lebo M ans Herzen legen. Die Filmmusik ist und bleibt eben das Hauptmerkmal von Der König der Löwen.

Fazit

Der König der Löwen ist ein bildgewaltiges und technisch brillantes Remake des 1994er Welterfolgs, das zwar durch Ideenlosigkeit und fehlender Kreativität seinen Weg nach oben als erfolgreichste Disney-Realverfilmung bahnt, jedoch aufgrund des atemberaubenden Realismus der Tiere unbedingt gesehen werden sollte. Der Soundtrack  ist dabei ein zusätzlicher Grund sich diese Verfilmung nicht entgehen zu lassen. Fans von 1:1 Kopien sollten erstmals voll auf ihre Kosten kommen: nichts Neues und keine Überraschungen. Eine Meisterleistung, aber kein Meisterwerk!

Der König der Löwen (2019) (Bewertung)

Spieldauer: 118 Minuten | FSK: 6

Weitere Infos: Original Cast | Deutsche Synchronsprecher | Trailer

Bilder/Grafiken: Stehni’s Blog, Disney, Disney Wiki


Jetzt seid ihr gefragt: Wie hat euch „Der König der Löwen“ gefallen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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Ein Kommentar zu „Disneys „Der König der Löwen“ (2019) (Rezension)

  1. Wer den Zeichentrickfilm sehr gut fand, so wie ich auch , wird diesen genauso sehr gut finden ! Ok, dieser hier wirkt aufgrund der neuen Animation mega realistisch und weniger süß… aber es ist genau die selbe Story und bis auf ein bis zwei neue Szenen(besonders TIMON UND PUMBAA sind mit mehr LACHERN am Start) 1zu1 der gleiche König der Löwen wie der Disney Klassiker aus den 90er ! Ach ja , es kommen auch Wörter der heutigen Generation wie COOL vor ;). Einfach sehr gut 😊

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