Disney+ Originalfilm „Clouds“ (Rezension)

Mit Clouds startet ein bewegender Film über den an Osteosarkom erkrankten Zachary „Zach“ David Sobiech. Eine einzigartige Geschichte, die nur so vor bewegenden Emotionen strotzt und über die richtige Tonalität verfügt, nicht zuletzt wegen des besonderen musikalischen Hintergrunds. Doch reichen tränenreiche Momente aus, um einen sehenswerten Film zu kreieren?

Szenenbild aus Disneys „Clouds“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Hinauf zu den Wolken

Das von Justin Baldoni inszenierte „Biopic“ widmet sich einen kurzen aber nicht weniger bedeutsamen Lebensabschnitt des an Krebs erkrankten Zach Sobiech. Als Zach (Fin Argus) zu Beginn seines Abschlussjahres erfährt, dass sein Krebs gestreut hat, macht er sich bereit, es mit der Welt aufzunehmen. So beschließt er in der wenigen Zeit, die ihm noch bleibt, mit seiner besten Freundin und Songwriter-Partnerin Sammy (Sabrina Carpenter) seinen großen Traum zu verfolgen. Mit der Hilfe von Zachs Lehrer und Mentor Herrn Weaver (Lil Rel Howery) erhalten Zach und Sammy die einmalige Gelegenheit, einen Plattenvertrag zu bekommen. Mit der Unterstützung seiner großen Liebe Amy (Madison Iseman) und seinen Eltern Rob und Laura (Tom Everett Scott und Neve Campbell) begibt sich Zach auf eine Reise über Freundschaft, Liebe und die Kraft der Musik…

Szenenbild aus Disneys „Clouds“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Kurzlebige Handlungsstränge und überflüssige Konflikte

Der Zuschauer wird ohne große Exposition direkt mit dem Schicksal des Protagonisten Zach Sobiech konfrontiert und stets wiederkehrend im Verlauf der Handlung an das bevorstehende Ende erinnert. Es ist also kein großer Spoiler zu wissen, wie die emotionale Talfahrt aufgelöst wird. Die Erkrankung von Zach ist ein dominierender und vorantreibender Faktor des Films und leitet die Figuren in ihren Aktivitäten. Alle Charaktere rund um Zach sind darum bemüht, ihm seine verbleibende Zeit zu einem lebensfrohen und ausgefüllten Leben zu gestalten. Das entscheidend positive hieran ist, dass nie künstliche Momente entstehen. Stattdessen wird ein Zustand kreiert, der dem eines jeden Teenagers entspricht. Die Kontrapunktierung zeigt jedoch, dass jedes Leben endlich ist. Dies ist eine große Stärke des Films. Er appelliert an den Zuschauer sich seiner Ziele bewusst zu sein und diese zu verfolgen – nicht morgen, sondern heute. Diese Botschaft wird unaufgeregt und geerdet vermittelt.

You don’t have to find out that your are dying to start living Zach Sobiech

Dennoch fällt auf, dass typische Klischees bedient werden, um den Figuren eine gewisse Tiefe zu geben, die für den Verlauf der Geschichte irrelevant sind. So ist die Konstellation der Familie wie der eine Bilderbuchfamilie. Um dies zu konterkarieren, pflegen Zach und seine beiden Schwestern eine geradezu neckische Beziehung und sein Bruder ist mir leider nicht im Gedächtnis geblieben. Zudem ergeben sich zwei kurze, aus dem Nichts auftauchende Konflikte zwischen Zach und seiner besten Freundin Sammy sowie zwischen den beiden Eltern, die offensichtlich dem Film abseits der Krankheit weitere Dimensionen geben sollen. Diese werden jedoch nur so kurz eingeführt und wieder aufgelöst, dass sie zwar nachvollziehbar für den Zuschauer bleiben, jedoch der Geschichte an sich nicht dienen. Genauso redundant erscheint der bis zur Hälfe des Films vorherrschende religiöse Unterton. Vor allem die Mutter scheint durch den christlichen Glauben geprägt zu sein. Man vermutet es jedenfalls, denn einerseits ist der Glaube teilweise sichtbar und später gar nicht mehr. Als beschlossen wird eine letzte große Reise zu tätigen, kehrt kurzfristig eine erwartungsvolle Dynamik im Film auf. Die Reise führt die Familie in den Wallfahrtsort Lourdes in Südwestfrankreich. Ein letzter Hoffnungsschimmer für die Mutter, Zach vom Krebs zu befreien. Auf der einen Seite ein sehr spiritueller und intensiver Moment, der durch seine Kurzlebigkeit in die Bedeutungslosigkeit fällt. Die Erwartung einer aufregenden Handlung bleiben daher unerfüllt, denn mehr passiert einfach nicht. Klar, der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Trotzdem wirken viele Momente sehr intensiv und wirkungsvoll, vor allem, was die Beleuchtung der Tumorerkrankung betrifft, die wiederum durch genauso überflüssige Handlungsstränge geschwächt werden. Natürlich kann man als Zuschauer niemals unberührt bleiben. Nur das sollte nicht als Hauptmerkmal ausreichen. Andererseits offenbart die Kurzlebigkeit, dass trotz Krankheit die Tage genauso schnell verfliegen wie für andere gesunde Teenager. Dies macht das Leben nicht weniger bedeutsam, sondern es ist einfach unser Alltag.

Szenenbild aus Disneys „Clouds“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Ist Clouds ein Musical-Film?

Was unterscheidet nun Clouds von anderen Filmen mit ähnlicher Thematik? Die Einzigartigkeit liegt in dem musikalischen Hintergrund des Protagonisten. Zu Beginn wird schon klar, dass Zach seinen Traum in der Erfüllung einer musikalischen Karriere sieht. Zusammen mit seiner besten Freundin komponiert er Lieder, die nicht nur für den Film eingespielt werden, sondern auch tatsächlich von Zach Sobiech veröffentlicht wurden. Der bekannteste Track ist der filmgebende Titel Clouds. Nun ist Clouds kein typischer Musical-Film, indem Handlungen mit Gesang untermalt werden. Stattdessen begleitet die Musik den Film in der zweiten Hälfte dominant. Insofern entwickelt sich ein Musical der anderen Art, deren Lieder zwar keine Welthits sind, die jedoch für eine gewisse Zeit im Kopf bleiben.

Nothing should be out of the reach of hope. Life is a hope Oscar Wilde

Die Lieder bilden kein Narrativ. Sie sind vielmehr Ausdrucksmittel für Zach seine Gefühle und Ausweglosigkeit zu transportieren und ein wenig Normalität und Hoffnung einkehren zu lassen. Im Finale des Films entfaltet sich die Botschaft der Musik auf ganzer Linie. Für den ein oder anderen ergeben hierdurch sehr kitschige Sequenzen, die dennoch ihre Wirkung nicht verfehlen. Wer also tränenreiche oder stilisierte romantische Momente schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen. Denn dies sollte einem bewusst sein: Tränen werden fließen. Die Produktion ist stets stilvoll und befriedigend umgesetzt. Leider gibt es keine Besonderheiten sowohl in der Erzählung der Geschichte als auch in der filmischen Umsetzung. Insofern kann man sich fragen, ob nicht 100 Laufzeit nicht hätten ausgereicht. Zwar fühlt sich der Film niemals in die Länge gezogen an, doch gibt es im Verlauf des Films auch keine im Gedächtnis hängen bleibende Szenen. Hier hätten filmische Akzente Abhilfe schaffen können. Weiterhin sollte erwähnt werden, dass für einen Disney-Film die Umsetzung offen und wenig geschönt wird, was die Krankheit anbelangt. Daher ist Clouds weniger für Kinder zu empfehlen, da schon Bilder erzeugt werden, die die Erkrankung von ihrer unschönen Seiten portraitieren. Dennoch sind diese Szenen immer in einer familientauglichen Atmosphäre gehalten und nicht vollständig schonungslos.

Szenenbild aus Disneys „Clouds“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Gefühlvoll und aufgeregt gespielt

Die schauspielerischer Leistung ist durchweg solide und unaufgeregt gespielt. Der Hauptdarsteller Fin Argus verleiht seiner Rolle eine nachvollziehbare Sympathie, die er gekonnt humorvoll und pointiert umsetzt, sodass emotionale als auch glückliche Momente glaubhaft vermittelt werden. Alle anderen Charaktere sind zwar genauso solide in Szene gesetzt, doch bleibt genauso keine grandiose Performance in Erinnerung. Dies ist auch nicht weiter schlimm. Denn es funktioniert. Die Rolle der besten Freundin ist genauso überzeugend sympathisch gespielt. Ebenso die Rolle von Zach großer Liebe. Alles im allem wurde ein guter Cast zusammengetragen, der zu überzeugen weiß, mehr aber auch nicht.

Most teenager out there feel like they are invincible, not the Superman kind of invincible. The kind of invincible that tricks you into thinking tomorrow might be a better day to start chasing your dreams Zach Sobiech

Die Rolle des gefühlt einzigen Lehrers Herr Weaver (Lil Rel Howery) an der Schule wird eine große Bedeutung zugeschrieben. Er ist eine Identifikationsfigur, die in Momenten der Hoffnungslosigkeit von Zach immer wieder auftritt und sonst nicht wirklich präsent ist. Nichtsdestotrotz erweitert er den Cast um eine wichtige Sympathierolle, ohne die der Film nicht abgerundet ist. Schade, dass die Figur nur so selten zum Einsatz kommt. Letztendlich fällt hier eine Bewertung schwer, zumal die Vorgänge auf reale Gegebenheiten basiert, die ich nicht vollständig überprüfen kann, ob sie gleichermaßen stattgefunden haben. Insofern ist eine Kritik an nicht genutzten Potential einer Rolle schwer. Der Film wirkt jedoch sehr authentisch durch seine unaufgeregte Inszenierung und soliden schauspielerischen Umsetzung.

Szenenbild aus Disneys „Clouds“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Fazit

Clouds ist ein „Musical-Film“ der anderen Art mit einer wunderschönen Hommage an Zach Sobiech. Leider schafft es der Film nicht eigene Akzente zu setzen, um sich von anderen Filmen mit ähnlicher Thematik abzusetzen. Stattdessen arbeitet sich der Film chronoligsch an Ereignisse ab, die auf das vorhersehbare (für viele bereits bekannte Ende) zusteuert und das mit teilweise befremdlichen religiösen Unterton. Die aus dem Nichts auftauchenden zwischenmenschlichen Konflikte tragen dabei nicht für eine positivere Wahrnehmung bei. Am Ende bleibt ein durchaus zu Tränen rührender, mittelmäßiger (solider) Film, der auf eine einzigartige Geschichte und Krankheit aufmerksam macht. Wer nicht gerade empathielos ist, sollte eine ganze Packung Taschentücher bereit halten.

SPIELDAUER: 121 MINUTEN | FSK: 12 | Disney+: 16. OKTOBER 2020

Weitere Infos: Original Cast | Deutsche Synchronsprecher | Trailer

Bilder/Grafiken: Stehni’s Blog, Disney


Was sind eure Gedanken zu dem Film? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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