Disneys „Hocus Pocus“ (Rezension)

Der kühne Plan einen Halloweenfilm im Juli des Jahres 1993 in den USA in die Kinos zu bringen, ging wenig überraschend finanziell in die Hose. Hocus Pocus (1994) spielte an den Kinokassen gerade einmal 39,5 Millionen US-Dollar ein bei Produktionsosten von 28 Millionen US-Dollar. Dennoch konnte sich der von Kritikern verrissene Disney-Film während der Jahrhundertwende als ein Halloween-Klassiker etablieren und ist heute ein globaler Fan-Liebling. Zu diesen Fans zähle ich seit Kindesalter an und bin daher sehr gespannt, wann uns eine Fortsetzung mit den famosen Sanderson-Schwestern auf Disney+ erwartet. Bis dahin nutze ich die Zeit in Nostalgie zu schwelgen und präsentiere euch meine Rezension zu Hocus Pocus.

Szenenbild aus Disneys „Hocus Pocus“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Alles bloß nur Hocus Pocus?

Die amerikanische Kleinstadt Salem wird im 17. Jahrhundert von drei Hexenschwestern heimgesucht, die bevorzugt Kinder entführen, um deren Lebensenergie für ewige Jugend auszusaugen. Der Hexerei überführt, werden die Sanderson-Schwester, Winifred (Bette Midler), Mary (Kathy Najimy) und Sarah Sanderson (Sarah Jessica Parker) zum Tode verurteilt und erhängt. Zuvor gelingt es Winifred Sanderson einen Fluch auszusprechen, der es ihnen ermöglicht mit Hilfe einer jungfräulichen Seele an Halloween zurückzukehren. 300 Jahre nach den Hexenprozessen hat sich die Kleinstadt an der Ostküste zu einer Halloween-Hochburg entwickelt, und das Sanderson-Haus wurde inzwischen in ein Museum umgewandelt. Statt schaurige Hexenverfolgungen feiern die Bewohner von Salem mit viel Enthusiasmus das Fest der Rückkehr der Seelen. Nicht so der aus Los Angeles neuzugezogene Max (Omri Katz), der dem Halloween-Spektakel nichts abgewinnen kann. Die Ruhe vor den Hexen sollte genau an dieser Nacht sein Ende finden, als Max zusammen mit seinem Schwarm Alison (Vinessa Shaw) und seiner Schwester Dani (Thora Birch) in das ehemalige Haus der Hexen eindringt und die schwarz-flammige Kerze entzündet. Prompt erscheinen die drei Schwestern und das Unheil nimmt seinen Lauf…

Szenenbild aus Disneys „Hocus Pocus“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Anspruchslose Handlung aber purer Halloween-Spaß

Klar ist, Hocus Pocus besticht nicht gerade durch eine komplexe sondern eher durch eine generische Handlung. Dennoch beweist die unorthodoxe Herangehensweise von Regisseur Kenny Ortega viel Entschlossenheit, und im Vergleich zu heutigen Disney-Filmen führt dies zu einem charmanten, mitreißenden und nicht glattgebügelten Disney Halloweenfilm mit einem großen Aufgebot an Witz und Spaß. Leider muss man dem Film eine auffällige Abarbeitung von Storyboard-Ideen konstatieren, die jedoch durch die progressiven (nicht „disney–esken“) Dialoge verziehen werden können. So stolpern die Hexenschwestern nach ihrer Rückkehr von einem Ort und zum nächsten ohne einer „erkennbaren organischen“ Entwicklung. Mal lobpreisen sie einen Mann im Teufelskostüm oder begeben sich in eine Schule, die sie als eine Art Kindergefängnis bezeichnen. Auf der einen Seite scheinen die Situationen völlig schwachsinnig und unlogisch zu sein, zumal die Hexen den Teufel erkennen sollten, da sie nach Winifreds Aussage 300 Jahre lang in der Hölle geschmort haben und auf der anderen Seite entstehen vollkommen amüsante Situationen, ohne die der Film nicht diesen Kultstatus entwickelt hätte. Bei Hocus Pocus sollte daher nicht allzu sehr auf Logik geachtet und Verhaltensweisen hinterfragt werden. Denn schaut man erstmal hinter die Dialoge, bleibt wenig sinnvolles übrig. Der Film verfolgt jedoch auch nicht das Ziel ernst genommen werden zu wollen – ganz im Gegenteil. Aus heutiger Betrachtung ist es ein Wunder einen derartigen Film mit dem Disney-Stempel zu sehen. Hocus Pocus überzeugt durch ein gutes Tempo und zahlreicher Zitate, die in die Geschichte der Filmkultur eingehen.

Szenenbild aus Disneys „Hocus Pocus“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Gesunde Zurückhaltung mit Effekten

Man mag es kaum glauben, aber Hocus Pocus war einer der ersten Filme, der Tieranimationen und Arbeiten mit Drähten für realistische Besenflüge perfektioniert hat. Glücklicherweise wurde weitestgehend auf digitale Effekte verzichtet und hauptsächlich auf praktische Effekte zurückgegriffen. So wurde ausschließlich die Mimik von dem Kater Binx am Computer animiert und einige Besenflüge nachträglich digital eingefügt. Durch die Verwendung von kleinen Puppen, die den drei Schwester ziemlich ähnlich sehen, gelangen Effekte wie actionreiche Sequenzen, die bis heute funktionieren. Die Entscheidung jegliche Computereffekte in dunkler Umgebung einzufügen, sorgt für unauffällige Tricks. In diesem Fall kann man froh sein, dass das Budget für den Film zwar hochgestuft wurde, jedoch nicht allzu hoch, sodass spürbar das Geld in praktische Effekte geflossen ist. Der ehemalige Geliebte Billy Butcherson von Winifred, dem sie aus Rache den Mund zugenäht hat, ist Teil der tollen Kostümierungsarbeit der Set- und Kostümdesigner. Zwar ist erkennbar, dass es sich um ein Kostüm handelt und auch die der Hexen, dennoch ist mir das niemals negativ aufgestoßen. Auch das trägt zum Kult des Films bei. Es gibt überall Elemente im Film, über die sich meckern lässt. Wie bereits erwähnt, sollte man stets mit einem Augenzwinkern die Szenerie betrachten. Nichtsdestotrotz überzeugen die Sets, die teilweise reale Drehorte in der Stadt Salem sind. Nun besticht Hocus Pocus vor allem durch seinen Witz. Halloweenfilme sind meistens für ihren Gruselfaktor bekannt. Daher stellt sich die Frage, ob es dafür überhaupt Raum neben all dem Spaß gibt. Tatsächlich fällt das Horrorelement eher als Nischeninstrument ins Abseits des Films. Dennoch gibt es einige Sequenzen, die auf Kinder sehr schreckhaft wirken könne, wie zum Beispiel die Szene in Max‘ Haus nach dem vermeidlichen Tod der Hexen.

Szenenbild aus Disneys „Hocus Pocus“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Erstklassige „over the top“ Schauspielerei

Was wäre Hocus Pocus ohne Bette Midler? Ja, Bette Midler muss als erstes genannt werden. Ohne ihr wäre die Rolle der Winifred nicht so ikonisch geworden und der Film hätte nicht diese Nostalgiewirkung. In jeder einzelnen Gestik und Aussprache von Dialogen, schafft es Bette Midler unverkennbare Elemente einfließen zu lassen, die ihre Figur einzigartig machen. Für einige mag ihre Leistung weit über des ertragbaren oder schlichtweg übertrieben zu sein. Doch diese Kritiker verkennen den darin liegenden Wiedererkennungseffekt, der Hocus Pocus zu einem Phänomen werden ließ. Nicht zuletzt wird der Ikonenstatus durch eine Neuinterpretation des Songs „I Put a Spell on You“ komplementiert. Bis heute freue ich mich stets riesig auf diese top Gesangseinlage von Bette Midler. Sarah Jessica Parkers Darbietung ist ähnlich erfrischend, doch im Vergleich zu Bette Midler weitestgehend zurückhaltend. So kümmert sich Sarah Sanderson meistens um niedere Belange wie die sexuelle Hingabe zu Männern. Ja, richtig gehört. Sarah ist nicht nur begabt Kinder durch einen betörenden Gesang heranzulocken, sondern sie ist gefühlt ständig sexuell aufgeladen, sobald sie Männer sieht, mit denen sie gerne mal „spielt“ – und das in einem Disney-Film! Aufmerksame Beobachter werden feststellen, dass sie sich gerne mal bei Anblick von einem Mann an die Brüste fasst. Sarah Jessica Parker spielt die Rolle dennoch glaubhaft naiv und verleiht der Rolle einen morbiden und krankhaften Charakter. Zuletzt vervollständigt Mary, gespielt von Kathy Najimy, das Hexentrio. Mary, die gerne mal Bellgeräusche wie die eines Hundes imitiert, hat die Begabung Kinder zu erschnüffeln und somit für den Trank der ewigen Jungend ausfindig zu machen. Sie ist die wohl normalste aber auch unabsichtlich lustigste von den drei Schwestern. Legendär ist die Staubsauger-Szene, der als Besen herhalten muss. Zusammen ergibt sich ein ikonisches Trio, die den Charme des Films ganz klar bestimmen.

Alle weiteren Schauspieler spielen ihre Hauptrollen mehr als solide und glaubhaft, allen voran Thora Birch. Dabei darf angemerkt werden, dass ihre Parts in der deutschen Synchronisation teilweise besser transportiert werden. Leider gibt es auch kleinere Rollen, die in das klischeehafte Rollenschema eines nervigen, mobbenden und rebellischen Punk-Tennies der 1990-er Jahre perfekt passt, und aus heutiger Sicht dumm und überflüssig wirken, wie zum Beispiel die Figuren Ernie „ICE“ und Jay. Am Ende bekommen sie dann doch ihre gerechte Strafe. Auch hier verzeiht der entstehende Witz jegliche Kritik.

Szenenbild aus Disneys „Hocus Pocus“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Fazit

Hocus Pocus ist ein erfrischender und mit viel Charme behafteter Halloween-Spaß aus den 1990er, ohne dabei glattgebügelt wie heutige Disney-Filme zu wirken. Bette Midler glänzt in ihrer Performance als Winifred und sorgt zusammen mit ihren beiden Schwestern für legendäre Dialoge und den bis dato ikonischsten Disney-Halloweenfilm. Für Kinder dürften einige Referenzen und Anspielungen nicht wirklich zugänglich sein. Mal eben das Bewusstsein für Logik ausschalten und den Film mit einem Augenzwinkern genießen.

SPIELDAUER: 96 MINUTEN | FSK: 12 | 1997

Weitere Infos: Original Cast | Deutsche Synchronsprecher | Trailer

Bilder/Grafiken: Stehni’s Blog, Disney


Wie gefällt euch Hocus Pocus? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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