Disney+ Originalfilm „Noelle“ (Filmkritik)

Endlich startet Disneys neue Weihnachtskomödie auch in Deutschland auf Disney+. Nachdem Noelle bereits pünktlich zur Weihnachtszeit letztes Jahr in den USA seine Premiere feierte, können sich nun deutsche Fans über gemütliche Weihnachtsstimmung freuen. Anders als in der traditionellen Erzählweise, werden dieses Weihnachten die Geschenke nicht vom Weihnachtsmann gebracht, sondern von der Weihnachtsfrau. Das klingt erstmal nach einer originellen Idee, die ganz in der feministischen Ausrichtung vieler Disney-Filme in den letzten 10 Jahren steht. Doch kann Noelle diese Idee würdig transportieren und überhaupt als Film überzeugen?

Szenenbild aus „Noelle“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Auch Frauen können Weihnachtsfrau sein

Kris Kringles aka Santa Clause (Jay Brazeau) Tochter Noelle (Anna Kendrick) ist von Weihnachten beseelt, doch wünscht sie sich viel mehr als nur den Weihnachtsgeist am leben zu halten und für die nötige Weihnachtsstimmung zu sorgen. Stattdessen möchte sie etwas Wichtiges tun und genauso bedeutungsvoll für das Fest sein wie ihr Bruder Nick (Bill Hader), dem die Bürde auferlegt wird, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Schon immer haben die Männer die Aufgabe übernommen, Weihnachten mit Geschenke zu bereichern und Kindheitswünsche zu erfüllen, wie ihr Bruder Nick, der dieses Jahr den Stab von seinem Vater übernimmt und für Weihnachten verantwortlich ist. Als Nick drauf und dran ist, wie ein Lebkuchen unter dem Druck zu zerbröseln, schlägt Noelle vor, dass er sich eine kurze Auszeit nimmt – aber als er nicht zurückkehrt, muss Noelle ihn finden und rechtzeitig nach Hause bringen, um Weihnachten zu retten.

Szenenbild aus „Noelle“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Interessante Ausgangsidee mit mittelmäßiger Ausführung

Es scheint beinahe so, als ob die zunächst beeindruckend weihnachtlich wirkende Szenerie des Nordpols mit schlechten Special Effekts konkurriert. Dies hinterlässt leider einen merkwürdigen Beigeschmack, wenn zum Beispiel der Weihnachtsschlitten als auch die Rentiere extrem offensichtlich nicht in die Umgebung passen und die Schauspieler sich vor einer Leinwand befinden. Da hätte man bei der großen Ankündigung eines exklusiven Weihnachtsfilms auf Disney+ mehr erwartet. Zwar wirkt es gleichzeitig charmant, doch kann man nicht von der Hand weisen, dass der Versuch eine gewisse Authentizität herbeizuführen klar gescheitert ist. Die Liebe zum Detail der Kulissen bewahrt den Film daher zu sehr in eine negative Schrulligkeit abzudriften, die der Cast ohnehin schon bedient. Zum Vorteil des Films gehört dessen Kurzweiligkeit. Jedem Zuschauer sollte von Beginn an klar sein, wohin die Geschichte sich bewegen möchte. Leider müssen wir uns relativ lange gedulden, bis auch jeder letzte Charakter zu dieser Schlussfolgerung kommt. Letztendlich kann genau dann der Film glänzen und macht ungeheuer viel Spaß. Doch für die Auflösung des Offensichtlichen nimmt der Film sich nur wenige Minuten und ist daher leider etwas enttäuschend. Grundsätzlich wirkt jedoch Nichts unnötig in die Länge gezogen, und aufgrund der Schauspieler kann Noelle auf ganzer Linie sehr gut unterhalten. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Noelle wird daher weniger Kultstatus erreichen können wie andere Weihnachtsfilme. Es fehlt dem Film an ausrechend magischen Momenten und kann daher nicht ganz das weihnachtliche Wohlgefühl transportieren. Dennoch sollte an dieser Stelle eine berührende Situation mit einem taub-stummen Mädchen genannt werden, die einerseits humorvoll aufgelöst wird aber gleichzeitig den Fokus auf wichtigere Dinge als Geschenke lenkt. Hier liegt die größte Stärke des Films: Einerseits den Fokus tiefer gehende Botschaften zu werfen und andererseits diese gleichzeitig amüsant aufzulösen, ohne die Bedeutung zu sehr zu untergraben, sondern ganz im Gegenteil. Letztendlich lässt der Dualismus zwischen grandiosen Ideen und der eher enttäuschenden Ausführung ein mittelmäßiges Ergebnis zurück, welches weniger auf die große Kinoleinwand gehört, sondern geradezu für einen Streamingservice gemacht wurde.

Szenenbild aus „Noelle“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Schrullig amüsante Inszenierung

Früh steht fest: Der Film lebt vor allem weniger durch seine Geschichte und Kulissen, sondern viel mehr durch den Cast. Anna Kendrick kann in ihrer Rolle durchgehend überzeugen. Anfangs befremdlich schrullig gespielt, ist es eben diese Kontinuität, die ihre Rolle so sympathisch und einzigartig macht. Wenn sie in ihrem Nordpol-Outfit durch die sommerliche Stadt Phoenix läuft und ihr schon buchstäblich der Schweiß im Gesicht steht, entstehen ulkige Momente, die viel Raum für Witze lassen und auch gebracht werden. Einige wollen landen, andere weniger. Nichtsdestotrotz ist ihre Performance so erfrischend, gefühlvoll und amüsant gespielt, dass es eine Freude ist, ihr dabei zuzuschauen. Daher ist ihre Besetzung perfekt gewählt und eine wahre Bereicherung für den Film. Ebenso zu nennen ist Billy Eichner als Cousin Gabriel, der das Weihnachtsgeschäft während der Abwesenheit von Nick übernimmt. Seine Herangehensweise ist äußerst witzig umgesetzt: So kreiert er einen Algorithmus, um Kinder in böse und artig einzuteilen und gegebenenfalls sogar Verbesserungsvorschläge zu geben, damit unartige Kinder sich bessern können. Im Ergebnis ist fast jedes Kind aus seiner Sicht unartig. Witzig ist dabei nicht nur der Umstand an sich, sondern vor allem seine launische und ironische Schauspielerei. In diese Kategorie fällt auch die grimmige Elfe gespielt von Shirley MacLaine, die das Sahnehäubchen der Besetzung ist. Billy Hader als Weihnachtszweifler auf dem Yoga-Selbstfindungstrip spielt seine Rolle wie viele seiner Comedy-Rollen bei SNL. Daher ist er für mich weniger als Glanzmoment im Cast zu nennen. Zwar kann er die nötige Absurdität seiner Rolle transportieren, indem er dem Weihnachtsspaß geradezu abschwört und ihn durch Spiritualität supplementieren zu versucht. Dennoch taucht er nicht wirklich oft im Film auf. Viel mehr ist es die Anna Kendrick Show. Zum Glück!

Fazit

Noelle ist eine kurzweilige Weihnachtskomödie mit einer grandiosen Anna Kendrick, der durch eine originelle feministische Idee bestechen kann, dem es jedoch an einer ebenso originellen Ausführung mangelt. Noelle ist ein Paradebeispiel für die Bedeutung von Streamingplattformen, wo Filme dieser Größenordnung hingehören aber nicht weniger Spaß bereiten: Perfekt für einen gemütlichen und magischen Adventstag zum Schmunzeln.

SPIELDAUER: 105 MINUTEN | FSK: 0 | 2020

Weitere Infos: Original Cast | Deutsche SynchronsprecherTrailer

Bilder/Grafiken: Stehni’s Blog, Disney


Wie gefällt euch der komödiantische Weihnachtsfilm? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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2 Kommentare zu „Disney+ Originalfilm „Noelle“ (Filmkritik)

  1. Allein schon wegen Anna Kendrick sehenswert. Ich fand den Film sehr gelungen, weil er einen tollen Humor hatte. Gerade bei Weihnachtsfilmen rutscht der Humor gerne bis zur Albernheit ab. Das war hier aber ganz und gar nicht der Fall, denn alles war witzig, spritzig und gut durchdacht. Ich fand sowohl die Aufmachung des Films, als auch die ganze Story mal was ganz anderes. Es hat Spaß gemacht den Film zusehen und man fühlte die Magie von Weihnachten. Darauf kommt es für mich an. 🎅🏻

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  2. Mir hat der Film sehr viel Spaß gemacht, vor allem weil er nach Phoenix, Arizona führt. Vom Nordpol in die Wüstenstadt. 🙂 Anna Kendrick ist gewohnt supersympathisch — und ich liebe es, dass Shirley MacLaine hier auch eine Rolle hatte. Was für ein Duo!

    Liebe Grüße,
    Birgit

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