Filmkritik: Disney+ Originalfilm „Black Beauty“

Black Beauty ist eine neue Verfilmung des gleichnamigen Romanklassikers und erzählt die Geschichte des Mustangs Beauty auf Disney+. Eine Reise auf Höhen und Tiefen, die den Fokus auf die Domestizierung von Pferden lenkt und die damit verbundene kindliche Idealisierung. Kann die Disney-Verfilmung der Pferdegeschichte überzeugen?

Szenenbild aus „Black Beauty“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Die moderne Neuinterpretation des Romanklassikers

In dieser modernen Version von Anna Sewells zeitlosem Klassiker begleiten wir Black Beauty (im Englischen gesprochen von Kate Winslet),  ein im amerikanischen Westen geborenes Wildpferd. Eingefangen und von ihrer Herde getrennt, landet Beauty auf Birtwick Stables, einem Zufluchtsort für Tiere und Pferde, wo sie die beherzte Teenagerin Jo Green (Mackenzie Foy) kennenlernt. Zwischen beiden entwickelt sich ein unzertrennliches Band, das Beauty durch all die verschiedenen  Kapitel, Herausforderungen und Abenteuer ihres Lebens trägt.

Szenenbild aus „Black Beauty“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Die Dualität zwischen Sprache und Bild

Black Beauty besticht weniger durch Verbalisierung und „langen“ Dialogen, stattdessen wirkt der Film vielmehr durch seine langanhaltende sowie intensive Bildsprache und der (ruhigen und weichen) Erzählstimme von Beauty. Letztere legt dennoch offen, dass eine emotionale Steuerung ohne Sprache nicht ganz auskommt. So wird einerseits versucht Ähnlichkeiten zwischen dem tierischen und menschlichen Empfinden Sympathien für das Schicksal von Beauty zu stimulieren, andererseits zeigt dies die Dualität zwischen der eigentlichen Herangehensweise vielmehr Bilder sprechen zu lassen und der Gewichtung von sprachlichen Mitteln. Tatsächlich hätte es der Kommentierung durch die Erzählstimme oftmals gar nicht benötigt. Es werden jegliche Möglichkeiten immer wieder genutzt, um den traurigen Verlust beider Protagonisten Jo und Beauty und deren unsichtbares Band aufzuzeigen, damit auch jeder die aufkommende Botschaft versteht. Durch die in der ersten Hälfte des Films bevorzugt cineastische Darstellung wird erstaunlicherweise eine besondere Verbindung mit dem Publikum aufgebaut, die sonst eher selten in Disney-Filmen anzutreffen sind, die leider immer wieder durch überflüssige Dialoge konterkariert wird. Zu Beginn werden hauptsächlich warme Bilder gewählt, die zum einen die Region und andererseits die Beziehung zwischen Jo und Beauty untermalen. Hierdurch wird noch mehr ein Wohlgefühl sowie eine nostalgische Atmosphäre zu Pferden aufgebaut.

Leider muss ich an dieser Stelle anmerken, dass trotz der gefühlvollen Darbietung von Mackenzie Foy, ihre Leistung doch eher beschränkt ausfällt und mir der Vergleich zu Kristen Stewart in den Kopf unweigerlich aufkam, die in ihrer gesamten Karriere fehlende Mimik kultiviert hat. So fällt auch hier die teilweise eher begrenzte emotionale Ausdrucksfähigkeit auf, die beim Fortschreiten des Films und der Einführung eines Love Interest sich nach und nach auflöst. So spaltet sich der Haupthandlungsstrang in weitere Stränge auf, die den Film interessanter und spannender machen. Ohne den sinnlichen Soundtrack würden einige Handlungen der Schauspieler eher mechanisch rüberkommen. Nichtsdestotrotz schafft es Black Beauty eine emotionale Bindung zum Rezipienten aufzubauen, die den ganzen Film durchzieht. Ob es an der Bildsprache liegt oder dem ständig präsenten Soundtrack liegt, lässt sich nicht ganz extrahieren.

Szenenbild aus „Black Beauty“ | © 2020 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Überraschende Ernsthaftigkeit kollidiert mit kindlicher Idealisierung

Die Kontrastierung zwischen der kindlichen Ansicht über Pferde und der kritischen Betrachtung der Domestizierung ebendieser ist unübersehbar. Einerseits schafft es die Geschichte diese Kritik in einigen Momenten richtig zu pointieren, andererseits ist das Ergebnis hieraus eher unbefriedigend. Leider gibt es Momente, in denen der Film selbst kritische Charakterisierung wählt, die jegliche Kritik an den menschlichen Umgang mit Pferden zunichte machen. Eine exemplarische Situation ergibt es aus dem Narrativ, dass Beauty zur Musik vor Freude tanzt. Dies ist eine während des offensichtlichen Leids des Pferdes (aufgebaut durch den gesamt Vorlauf des Films) gewählte Vermenschlichung, die abstrus ist. Dennoch gibt es genauso tiefe und berührende Momente, als Beauty zum Beispiel einen Weggefährten wiedersieht, dem das Feuer im Herzen und Blut erloschen ist. Ein wirklich bewegender Moment, der ohne die Erzählung und gerade durch die weihnachtliche Instrumentalisierung von „Stille Nacht“ sehr eindringlich ist. Je größer das Leid von Beauty wird, umso einengender wird auch die Bildsprache. Der Umgebungswechsel von den Weiten der Landschaft hin zum tierfeindlichen Stadtleben unterstreichen dies. Ob nun die zu Beginn sehr präsente kindliche Liebe zu Pferden nun die eigentliche Antwort des Films, bleibt offen. So ganz weiß Black Beauty selbst nichts mit seinen kritischen Momenten anzufangen. Es wird dem/der Zuschauer*in überlassen, die Interpretation zu übernehmen. Dennoch muss dem Film zugute gehalten werden, dass er nicht zurückscheut, das tierische Leid offen darzustellen und zu kommentieren.

Die Film hinterlässt eine zwiespältiges Gefühl: Die Geschichte ist einerseits gefühlvoll erzählt und nimmt dabei die Perspektive des Pferdes ein. Andererseits stößt die Romantisierung im Finale etwas negativ auf. Ein Pferdeleben kann nicht durch ein ähnlich Schicksal eines Menschenlebens substituiert werden. Natürlich sollten wir alle die Botschaft mitnehmen, Tieren möglichst würdevoll zu behandeln. Nur die Unentschiedenheit des Films ist eher ärgerlich aufzunehmen. Hier waren schon neuere Realverfilmungen von Disney progressiver und mutiger. Das gleiche gilt für die Charaktere in dem Film. Sie charakterisieren sich eher durch eine gewisse Eindimensionalität, die für die Erzählung anscheinend ausreichen muss, um Verbindungen zwischen Beauty und zwischen anderen Personen zu rechtfertigen. Hier hätte es mehr Potential geben können, ohne zu sehr von der Geschichte von Beauty abzulenken.

Fazit

Black Beauty besticht durch seine eindrückliche Bildsprache und des im letzten Drittel starken Narrativs. So ganz kann sich der Film jedoch nicht zwischen kindlicher Idealisierung und kritischer Betrachtung der Domestizierung von Wildpferden entscheiden. Die ohnehin schon überraschend ernsthafte Herangehensweise wird hierdurch leider geschwächt, nicht zuletzt durch die Vermenschlichung von Beauty. Für Pferdeliebhaber dürfte Black Beauty eine emotionale Herausforderung werden mit in üblicher Disney-Manier wunderschönen und sehenswerten Momenten.

SPIELDAUER: 109 MINUTEN | FSK: 0 | 2020

Weitere Infos: Original Cast | Deutsche SynchronsprecherTrailer

Bilder/Grafiken: Stehni’s Blog, Disney


Wie gefällt euch Black Beauty? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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