Filmkritik: Disneys „Raya und der letzte Drache“

Disneys neuster Animationsfilm Raya und der letzte Drache ist ein actionreiches Abenteuer, welches bisher so noch nie von den Animation Studios produziert wurde. Der Film besticht zudem durch zwei weibliche Antagonistinnen, die sich auf eine parallele Reise mit den gleichen Zielen begeben und dennoch ihre Gegensätze in den Vordergrund stellen statt ihre Gemeinsamkeiten. Wie immer darf bei Disney eine tiefgreifende Botschaft nicht fehlen. Doch kann der Film abseits seiner Botschaft wirklich überzeugen? Und kann sich Raya und der letzte Drache gegen die Disney-Prinzessinnen-Filme der letzten 10 Jahre behaupten?

Szenenbild aus Disneys „Raya und der letzte Drache“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Zusammenbringen, was entzweit ist

Vor langer Zeit lebten in Kumandra Menschen und Drachen in völliger Harmonie zusammen. Aber als finstere Monster, die sogenannten Druun, das Land bedrohten, opferten sich die Drachen, um die Menschheit zu retten. Seitdem leben die Völker nicht mehr im Einklang sondern in Misstrauen. Jetzt, 500 Jahre später, sind dieselben düsteren Wesen zurückgekehrt und das Schicksal von Kumandra liegt in den Händen einer einzigen Kriegerin: Raya! Um die Druun endgültig aufzuhalten, muss sie den letzten verbliebenen Drachen aufspüren. Während ihrer aufregenden Reise stellt Raya jedoch fest, dass es mehr als nur Drachenmagie braucht, um die Welt zu retten…

Szenenbild aus Disneys „Raya und der letzte Drache“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Der wohl actionreichste Disney-Animationsfilm mit viel Frauenpower

Raya und der letzte Drache ist definitiv der wohl spannendste und actionreichste Film aus dem Animation Studio. Ein Potpourrie aus grandios inszenierten (kurzweiligen) Kampfszenen, gespickt mit dynamischen Kamerafahrten und atemberaubenden Naturlandschaften sowie detailreichen Umgebungen. Erstklassige Animation war schon immer ein Markenzeichen von Walt Disney Animation, wobei ich hier und dort teilweise das Gefühl hatte, Pixar gelingt eine detailreichere Darstellung von Figuren. Untermalt werden die gewaltigen Kampfszenen oder Action-Szenen, beinahe schon apokalyptischen Sequenzen durch das plötzlich erschreckende Aufkommen der Druuns, mit dem Soundtrack von James Newton Howard. Die Filmmusik verbindet süd-ostasiatisch angehauchte Musikelemente mit klassischen Streichern und Kompositionen. Geboren ist ein zwar unverwechselbarer Soundtrack, dem dennoch das gewisse Etwas fehlt und somit schnell in Vergessenheit gerät. Vermutlich liegt dies schlichtweg daran, dass sich (glücklicherweise) nicht für Gesangseinlagen entschieden wurde. Stattdessen wird die durch das Fehlen von Musical-Nummern freigewordene Laufzeit für ein Vorantreiben der Geschichte genutzt. Trotzdem trifft der Soundtrack immer den richtigen Ton und untermauert das Alleinstellungsmerkmal des Films in der bisherigen Film-Chronik von Disney.

Neben der starken Präsenz von Marial Arts stehen zwei weibliche Hauptfiguren, wenn nicht sogar drei (Sisu), im Vordergrund. Schon viele vergangene Filme aus dem Hause Disney haben weibliche Figuren ins Zentrum gestellt, sowohl in Realverfilmungen als auch in den neusten Anmationsfilmen. Doch noch nie war eine feministische Umsetzung so spannend und kraftvoll erzählt wie diese. Der Film erinnert dabei teilweise sogar an Kill Bill Vol. 1 mit ähnlichen gut choreographieren Kampfszenen und Inszenierungen. Auch hier stehen sich zwei Figuren gegenüber: Raya und Namaari bilden auf der Ezählebene die vermeintlich beiden Pole / Extreme. Dabei wird die Geschichte aus der Perspektive von Raya erzählt, dennoch bewegen sich beide Figuren auf dem selben Pfad mit den gleichen Beweggründen. Den Machern gelingt hierdurch eine spürbare Ambivalenz der Charaktere, vernebelt durch Starrsinnigkeit, wodurch eine für Disney eher untypische Vielschichtigkeit der Erzählweise, die den Zuschauer einerseits durch Spannung aber auch durch leicht komplexere Charaktere bei Laune halten. Aufgebrochen wird diese Ernsthaftigkeit durch die humorvolle Drachenfigur Sisu, die eine gewisse Parallele zu Dschinni aus Aladdin (1992) aufzeigt, aber in ihrer Essenz dem Gewissen in Gestallt von Jiminy Grille aus Pinocchio (1940) ähnelt. Vor allem die „neue“ Herangehensweise bezüglich der Gegenüberstellung der Antagonisten machen Raya und der letzte Drache zu einem sehenswerten Film, der auf vergangene Animationsfilme aufbaut und diese tatsächlich stellenweise perfektioniert.

Szenenbild aus Disneys „Raya und der letzte Drache“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Berührende Botschaft wird konterkariert durch schlechtem Humor

Wie immer darf in keinem Disney-Film eine berührende Botschaft fehlen. Diese kommt auch hier nicht zu kurz und über den Verlauf des Films wird diese erst untergründig angedeutet, dann mehr und mehr offensichtlich bis es zu konkreten Benennung kommt, die es eigentlich nicht mehr gebraucht hätte. Berücksichtig man neben dem erwachsenen Zielpublikum auch das jüngere, so fällt dies weniger schwer negativ ins Gewicht. Zwar wird die Botschaft von vielen Disney-Filmen zuvor geteilt, dennoch wurde sie noch nie so explizit als Kernbotschaft präsentiert. Neben der Liebe gibt es eben noch andere wichtige, herzergreifende Botschaften, die wichtiger und aktueller sind. Und hier trifft Raya und der letzte Drache genau ins Schwarze. Torpediert wird das ganze streckenweise durch semi-lustigen Humor und wiederum durch sehr albernen Humor seitens der Sidekicks, der zum Glück nur sehr kurz auftaucht. Neben den eher nicht landenden Witzen, sticht vor allem eine bestimmte Situationskomik negativ hervor, die mich sogar kurz aus dem Film katapultiert hat, so genervt war ich. Pupswitze waren noch nie lustig oder zumindest vielleicht eher für leicht erheiterndes Publikum. Wie kann man eine ernsthafte, spannende und actionreiche Szene aus dem Nichts so zerstören. Das kann noch nicht mal der Soundtrack retten, der dabei im Hintergrund dabei tosend und aufbäumend vor sich her donnert. Nicht alle Witze sind wirklich schlecht, aber ein Großteil will dennoch nicht wirklich zünden. Nichtsdestotrotz können die charmant animierten Sidekicks diese Stimmungssenker immer wieder retten, die jedoch zugleich auch für die eher unlustigen Situationen verantwortlich sind. Es ist klar, warum sich für diese Art von Humor entschieden wurde. Um den Film dennoch für das jüngere Publikum zugänglich zu machen, werden die actionreichen Szenen durch „einfältigen“ Humor aufgeweicht oder zumindest ergänzt, wodurch eine niedrigere Altersfreigabe garantiert ist. Ich hätte drauf verzichten können.

Szenenbild aus Disneys „Raya und der letzte Drache“ | © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Alles nur zusammengewürfelte Originalität?

Wirf Rapunzel – Neu Verföhnt (2010), Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013) und Vaiana (2016) in einen Topf und du bekommst Raya und der letzte Drache. Ganz so harsch würde ich es zwar nicht formulieren, doch lässt sich eine Bedienung an zahlreichen Elementen der aufgeführten Disney-Prinzessinnenn-Filme der letzten 10 Jahre nicht negieren. Direkt zu Beginn des Films fällt eine eindeutige Nähe zu dem Animationshit Vaiana auf, die einerseits einer ähnlichen Erzählstruktur zu verdanken ist, und anderseits an den gleichen Produzenten und Regisseur liegen mag. In beiden Filmen wird mittels einer originell visualisierten Exposition die Hintergrundgeschichte erzählt, um den Ausgangspunkt und die Prämisse des Films zu verdeutlichen. Die Ähnlichkeit ist unübersehbar. Im Gegensatz zu Vaiana fällt die Gesamtzeit der Einführung in die Handlung deutlich kürzer aus und besticht durch ein im Einklang mit den zahlreichen actiongeladenen Sequenzen schnelles Tempo.

Weiterhin bedient sich der Film gewissermaßen an der Sidekick-Konstellation aus Rapunzel – Neu verföhnt. Tong ist ein sanfter Riese. Als einsamer Waldarbeiter hat er ein schroffes Image – doch hinter der Fassade ist er einer der liebevollsten Bewohner von Kumandra. An wen erinnert diese Beschreibung? An Hakenhand aus Rapunzel – Neu verföhnt. Das gleiche gilt auch für die Stabbington-Brüder – hier in der Gestalt von der drei Ongis (eine kuriose Mischung aus Affen und Welsen) und Little Noi (das zweijährige Ziehkind der Ongis), die gemeinsam Meister des Trickbetrugs sind. Nichtsdestotrotz wird den Charakteren in Raya und der letzte Drache mehre Zeit gegeben sich zu entfalten und erscheinen dadurch deutlich dynamischer, auch wenn dies öfters durch eigenwilligen, eher kindischem Humor verbaut wird. Zu dem letzten Vergleich mit Die Eiskönigin – Völlig unverfroren lässt weniger detailreich eingehen, um Spoiler zu vermeiden. Doch die Ähnlichkeit ist verblüffend in ihrer Darstellung und Konsequenz.

Die aufgeführten Punkte sind nur eine Teilmenge von Schnittpunkten mit den verglichenen Filmen. Ob nun diese Schnittflächen negativ auszulegen sind, muss jeder für sich selbst beurteilen. Dennoch spricht dies nicht für eine originelle Umsetzung, stattdessen folgt der Film einer rezeptartigen Vorgehensweise, die sich in den letzten Filmen mehr als bewährt hat. Der neuste Animationsfilm baut quasi auf seine Vorgänger auf. Demgegenüber sollte erwähnt werden, dass keine einzige Minute im Film verschwendet wird und stattdessen die Handlung konsequent vorangetrieben wird. Daher sollten Fans der drei genannten Filme durchaus auf ihre Kosten kommen, sofern sie auf Gesangseinlagen verzichten können. Denn hier sticht Raya und der letzte Drache stark hervor im Vergleich zu den anderen Prinzessinnen-Filme.

Fazit

Raya und der letzte Drache besticht durch ein schnelles Tempo, actiongeladene, spannende Szenen und vor allem durch geballte Frauenpower mit starken, mehrdimensionalen Hauptfiguren. Dies alles steht unter dem ezähltechnischem Spannungsbogen, seine Vorurteile zu überkommen und auf die Gemeinsamkeiten, basierend auf Vertrauen, zu konzentrieren. Dazu fallen das rezeptartige Vorgehen eines strengen und bekannten Erzählpfads auf, der teilweise durch kindischem und unlustigem Humor ergänzt wird. Fans von Vaiana (2016), Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013) und Rapunzel – Neu verföhnt (2010) können sich freuen, sofern sie auf Gesangnummern verzichten können.

SPIELDAUER: 107 MINUTEN | FSK: 0 | 2021

Weitere Infos: Original Cast | Deutsche SynchronsprecherTrailer

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Bilder/Grafiken: © Stehni’s Blog, Disney, Kiddinx


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8 Kommentare zu „Filmkritik: Disneys „Raya und der letzte Drache“

  1. Ich bin ehrlich, ich habe mir noch nicht viel angeschaut. Bisher nur Bilder und ein wenig von der Geschichte an sich gelesen. Ich bin sehr gespannt und würde ihn gerne zusammen mit meinem Neffen schauen, der ist großer Drachen Fan.

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  2. Meine Mädels freuen sich schon sehr auf den Film (sind aber natürlich auch große Eiskönigin Fans), mich selbst hat das Raya Fieber noch nicht richtig gepackt aber das kommt vielleicht noch wenn wir uns den Film bald ansehen können.Insgesamt mag ich das Konzept der Powerfrauen aber mehr, als die Prinzessinnen die zur Rettung immer ihren Prinzen brauchen.
    Gerne nehme ich auch für meine Mädels am Gewinnspiel teil. Um deine Gewinnspielfrage zu beantworten: meine liebsten Sidekicks sind seit meiner Kindheit Mushu aus Mulan und der Teppich aus Aladdin (wie viel ein Teppich doch rüber bringen kann =) ) Auf Instagram folge ich dir bereits und hab das Gewinnspiel in meiner Story geteilt. (frau_stoer)

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  3. Wir freuen uns sehr dolle über den Film. Mit 2 Kindern, Mädchen und Junge, ist es denke ich eine tolle Kombi für beide. Mit ordentlich Frauenpower und Drachen.

    Unser allerliebster Sidekick ist und bleibt die Eule Archimedes von Die Hexe und der Zauberer. Weil er so trottelig süß, chaotisch, besserwisserisch und komisch ist.

    Wir springen gerne in den Lostopf und ich folge dir als _zawo_ auf Instagram.

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  4. Wir freuen uns hier schon wahnsinnig auf den Film, so wie auf jeden neuen Disney/Pixar Film, obwohl er Soul nach unserem Geschmack nicht schlagen kann – der ist einfach zu gut. und war echt mal wieder ein Disneyerlebnis. Lieblingssidekicks sind hier Pascal aus Rapunzel und Pegasus aus Herkules (v.a. die Babyversion). Folge auf FB unter Akire Mitsubishi.

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